Alles ist da, Dimensionen, Farben, Linien, ohne Anspielung. Dieser Satz von J.-F. Lyotard über das wenige, das schon alles ist, trifft's genau: Das mattschwarze Cover verweist durch einen simplen Pappschlitz in die dritte Dimension, dunkel leuchtendes Lila lockt ins Räumliche. Genauso konsequent die Musik: sehr wenige, sehr neutrale Techno-Elemente, ein dumpfes Pulsieren von der Bass Drum, manchmal ein harter Electro-Baß auf dem ersten Schlag - und endlose Echovariationen. Das ist das aktuelle Konzept von Plastikman alias Richie Hawtin, der als kanadischer DJ großen Einfluß auf den Detroit-Techno nahm und mit seiner richtungweisenden EP-Reihe "Concept" schon einmal den Techno bis auf seine allernacktesten Strukturen reduzierte.

Mit "Consumed" erreicht er nun mehr, als dem technoiden Minimalismus ein vielleicht letztes Denkmal zu setzen: eine introspektive Euphorie, ausgelöst durch perfekte Klangarchitektur.

Gleich mit dem ersten Ton der CD geht eine Tür auf, und dahinter: Räume, Räume, Räume.

Immer wieder vermessen Schallwellen diese neu, lassen Wände verschwinden und an anderer Stelle für unbestimmte Zeit erstehen. Echoketten aus phasenverschobenen, gedämpft blechernen Geräuschen winden sich auf und ab.

Hauchdünne synthetische Streicherflächen, bewegungsarm und körperlos, fügen dem düsteren Ambiente helle, kryptische Momente hinzu.

Pseudomechanische Klänge erinnern vage an Hammerschläge, Schienenrattern, mal werden minimale Klangfarbenmelodien daraus, mal ein scharf konturiertes Klicken, das in die matte Raumresonanz sticht. Am Anfang steht oft ein weißes Rauschen, als würde das Licht im Zimmer eingeschaltet ...

Der Rhythmus verändert sich kaum von Stück zu Stück, jedes hat Modellcharakter, kündet von einer Ästhetik der Leere. Architektonische Skizzen, transparente Entwürfe werden auf wirkliche Orte wie den Techno-Club oder das Wohnzimmer projiziert. Tiefe Resonanzen stellen eine Symmetrie her zwischen Projektion und realem Ort - ein unausweichlicher Sog.