Bürgerferne Stadtbürokratien sind ein tägliches Ärgernis. Das Problem haben viele Länder. Aber erst unter dem Druck der Finanzkrisen ist eine Reformbewegung entstanden: Die Kommunen bauen um, weltweit. Ohne viel voneinander zu wissen, sind einige von ihnen ähnliche Wege gegangen, sind schlank geworden, dezentral, kundenorientiert - wie moderne Unternehmen.

Der Wettbewerb "Cities of Tomorrow" der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh brachte Reformkommunen und wissenschaftliche Experten zusammen, vom neuseeländischen Christchurch bis Tilburg in den Niederlanden. Die Reformer diskutieren beispielsweise auf Konferenzen und im Internet über ihre Erfahrungen. In den Vereinigten Staaten stellt die Alliance for National Renewal (ANR) auf ihren Internet-Seiten vielversprechende Reformprojekte vor, in Deutschland bietet die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) ebenfalls eine Plattform für erneuerungswillige Städte und Gemeinden an.

Man lernt voneinander. So übernahm die finnische Stadt Hämeenlinna die Idee der Bürgergarantie aus Braintree. Die englische Kommune hatte schon früh das Leistungsangebot der Verwaltung in einer "Charta" festgeschrieben. Erfüllt die Stadt ihre Pflicht nicht, muß sie zahlen - zum Beispiel den Tagessatz für private Krankenpflege.

Die meisten Erfolgsrezepte gelten über nationale Grenzen hinweg. Gute Kommunalreformer fragen sich: Welche Leistungen will der Bürger von uns? Dann strukturieren sie die Verwaltungen entsprechend um. Sie geben den Sachbearbeitern auf den unteren Hierarchieebenen mehr Entscheidungsgewalt, kommen damit näher an den Bürger und sparen zugleich Steuergelder. Sie fassen Verwaltungsstellen in Bürgerbüros zusammen, so daß der Kunde nicht mehr wegen ein und derselben Angelegenheit von Amt zu Amt laufen muß. Sie proben die Informationsgesellschaft mit Bürgercomputern in öffentlichen Gebäuden - dort gibt es dann Informationen auf Abruf, Anträge können ohne Warterei abgegeben werden.

Weltweit fördern die Reformer Experimente, geben beispielsweise Schulen einen Etat, den sie eigenhändig verwalten. Sie prüfen, welche öffentlichen Aufgaben privat erledigt werden können, betrauen damit Unternehmen und beleben den Wettbewerb zwischen Beamten und Managern, zwischen Ämtern und privaten Firmen.

Und schließlich: Der Bürger wird nicht mehr als Störfaktor gesehen. Statt dessen wird er animiert, sich an Politik und Verwaltung zu beteiligen. Auch hierbei handeln Erfolgskommunen wie moderne Firmen: Kunden und Lieferanten, Bürger und private Dienstleister arbeiten Hand in Hand, die alten Grenzen verwischen.

Damit Deutschland den Vorsprung ausländischer Kommunen aufholt, hat die Bertelsmann Stiftung (http://www.stiftung.bertelsmann.de) mit anderen Einrichtungen einen neuen Wettbewerb ausgerufen: Bis zum 1. Oktober können sich deutsche Städte und Gemeinden melden, in denen sich die Bürger an Entscheidungen beteiligen und öffentliche Aufgaben übernehmen.