Vor ein paar Jahren war ich Teil einer Art Heimkino am Pazifischen Ozean und schaute mir unter anderem einen Film an, in dem eine Frau und ein Mann in einem Kabrio über die Golden Gate Bridge nach Nordkalifornien fahren, weil sie da oben ein Pferd kaufen wollen. Sie treffen sich unterwegs mit einem Mädchen, das ihnen beim Pferdekauf helfen wird. Das Mädchen ist einundzwanzig und heißt Strawberry.

"Ah ja, unsere Hippiekinder", sagt die Frau in dem Kabrio, und dann überlegt sie laut, daß man nicht immer Strawberry heißen kann, weil das irgendwie lächerlich wäre, wenigstens, wenn man über dreißig ist. Aber später dann, meint sie, wenn man so alt ist, daß die Knochen nur noch von Spinnweben zusammengehalten werden, später sei das wieder ein schöner Name. Sie sagt: "Man hat einen knallroten Lippenstift und rote Fingernägel, und man trägt nur Strohhüte mit viel Obst und Gemüse auf dem Kopf, und die Leute drehen sich dauernd nach einem um, so wie damals, als man zum erstenmal Strawberry geheißen hat."

So hießen manche Kinder damals eben, Strawberry und Cream, oder Ocean, weil sie auf dem Ozean gemacht worden sind, und sie sind alle so alt wie unsere Kinder oder wie die Erzählerin von Nancy Peacocks Roman, die 1969 geboren ist, Cedar heißt und in ihrem Buch über die ersten sieben oder acht Jahre ihres Lebens erzählt, die sie hauptsächlich in einer Hippiekommune in North Carolina zugebracht hat. Sie schreibt jetzt, da sie ein ganzes Stück über zwanzig ist, fast wie ein Kind über einen magischen Augenblick bei ihrer Geburt: "In der Nacht meiner Geburt entfernte mein Vater die blutigen Laken vom Bett. Er wickelte die Nachgeburt darin ein und begrub das Ganze zuunterst in dem Loch, das er ausgehoben hatte. Die Leute, die bei meiner Geburtsfeier anwesend waren, legten lauter Steine um das Grab."

Die Stelle mit der vergrabenen Plazenta ist eines der Leitmotive des Buchs, Schauplatz eines - na ja - Liebesbruchs, den das Kind nachts vom Fenster aus beobachtet. Keine nette Geschichte, aber Geld und Eifersucht spielen hier wie überall auf der Welt eine große Rolle, wenn auch manche ein sehr nachsichtiges Verhältnis zu ihrem Bankkonto hatten, falls es überhaupt ein Bankkonto gab. Vor vielen Jahren hat Gailyn Saroyan einmal notiert: "Einmal hatten wir beide gleichzeitig einen Job. Aram und ich. Wir kamen nach ungefähr zwei Tagen Arbeit mit 50 Dollar nach Hause. Wir konnten es nicht fassen. Wir fingen zu rechnen an ... was sollten wir bloß mit 800 Dollar im Monat anfangen! (Aram arbeitete als Bote und ich als Bedienung). Es war schlichtweg absurd. Wir kündigten alle beide."

Ein anderes Leitmotiv in Cedars Erzählung ist eine Patronenkugel, die Cedars Mutter um den Hals trägt. Ein Geschenk ihres Bruders, der sechs Wochen vor Ablauf seiner Militärzeit in Vietnam gefallen ist: "Wenn Jimmie nicht gefallen wäre, wärst du vielleicht gar nicht geboren", sagt die Mutter oft zu ihrer Tochter, und der tote Onkel Jimmie und der Krieg in Vietnam sind von der ersten Seite bis buchstäblich zur letzten Zeile fast immer anwesend. Aber das kommt nie aufdringlich daher, sondern genauso wichtig und beiläufig, wie der Tod und der Krieg im Leben und im Bewußtsein von Kindern anwesend sind, wenn sie nicht direkt davon betroffen sind.

Immer wieder kommt im Buch die Frage: "Wofür kämpfen wir?", und immer wieder sagen die Erwachsenen: "Das weiß ich nicht." Sie wissen es heute wahrscheinlich besser: Es war John Kennedy, der - wenn man von den paar hundert Beratern unter Eisenhower absieht - Amerika nach Vietnam gebracht hat. Er wollte den Kalten Krieg gewinnen, am liebsten mit einem heißen. Kuba und Laos haben nicht funktioniert, und dann bot sich Vietnam an. Und Kennedy wollte ein großer und berühmter Präsident werden.

Vor etwa zwei Jahren erzählte Gore Vidal im Gespräch mit Jerry Brown, Kennedy habe einmal zu ihm gesagt: "Was wäre Lincoln denn ohne den Bürgerkrieg gewesen?" Gore Vidal sagte darauf: "Glaubst du denn, der Umstand, daß dein Gesicht in den Mount Rushmore gemeißelt wird, rechtfertigt 600 000 Kriegstote?" So wie es aussieht, werden wir in den nächsten Jahren einige Bücher bekommen, die über diese Zeit erzählen und über den Umschlag von Spiel und Zauber in Politik und Gewalt (der hier in Nancy Peacocks Buch nicht stattfindet). Das beste dieser Bücher, das ich kenne, ist Jennifer Egans "The Invisible Circus", auch ein erster Roman, der merkwürdigerweise noch nicht übersetzt ist.