Inzwischen produzieren 14 Nestlé-Fabriken in China Bei Milch und Kaffee ist es nicht geblieben. Vierzehn Nestlé-Fabriken entlang der Küste produzieren Maggi-Würze, Suppenextrakt, Eiscreme, Instanttee oder Schokoriegel. Fast alle starteten als Joint-venture mit Staatsbetrieben, gehören aber jetzt überwiegend zu hundert Prozent Nestlé. Theo Klauser sagt: "Wir haben das nicht forciert, aber unsere chinesischen Partner brauchen ihr Kapital, um ihre eigenen Fabriken zu modernisieren." Partei und Regierung in Peking wollen defizitäre Staatsbetriebe nicht länger subventionieren. So hilft die neue Politik der kommunistischen Machthaber den Konzernstrategen, sich dauerhaft im bevölkerungsreichsten Land der Erde festzusetzen. Fast neunzig Prozent der Nestlé-Verkäufe in Festlandchina werden bereits im Lande produziert.

Bei allem Expansionsdrang bemühen sich die Nestlé-Manager, jeden Anschein des "bösen" Multis zu vermeiden. Gesetze werden strikt eingehalten, Besuchern wird als erstes die Kläranlage eines Werkes gezeigt - meist die einzige weit und breit. Das jeweilige Land solle genauso vom Engagement profitieren wie der Konzern, lautet die offizielle Maxime. Manchmal dauere es deshalb etwas länger, bis die Gewinne sprudeln, sagt Nestlé-Präsident Maucher. Manchen (amerikanischen) Konkurrenten, der aufs schnelle Geschäft ausgewesen sei, habe man schon abgehängt, erzählen die Vogelnest-Manager in China gerne.

Waren im Wert von 375 Millionen US-Dollar verkaufte der Multi 1997 auf dem Markt der 1,24 Milliarden Konsumenten, allein die 6 Millionen Schweizer sind für das Doppelte gut. Doch selbst die aktuelle Asienkrise weckt bei Nestlé-Vordenker Maucher keinen Zweifel an seiner Langfriststrategie. Im Gegenteil. Er hat seinen Leuten in Asien gesagt: "Jetzt zugreifen."

Bauer Liu weiß nicht, daß Nestlé seinen Anteil an der Milchfabrik von 64 auf 90 Prozent aufgestockt hat. Aber er denkt ebenfalls langfristig. Für ihn ist klar: Auch sein kleiner Enkel wird hier einmal Kühe halten. "Nein", sagt der freundliche Herr, "in der Stadt kann es für die Familie kein besseres Leben geben."