Ein Teil des innerdeutschen Verkehrs der Lufthansa soll in der Zukunft von der Deutschen Bahn AG übernommen werden. Sobald die ersten ICEs im Jahr 2001 in weniger als einer Stunde über die Neubaustrecke von Köln nach Frankfurt rauschen, wird Lufthansa ihre Routen von Köln, Düsseldorf und auch von Stuttgart einstellen.

Die Züge werden nicht mehr wie bisher vor allem am Frankfurter Hauptbahnhof halten, sondern direkt an der unterirdischen neuen ICE-Station am Rhein-Main-Flughafen, die bereits 1999 fertiggestellt sein soll. "Die Verlagerung extremer Kurzstrecken vom Flugzeug auf die Schiene ist für uns sowohl ökonomisch als auch ökologisch ein Gebot der Stunde", erklärt Lufthansa-Chef Jürgen Weber.

Die Integration von Flug- und Bahnverkehr auf diesen Hochfrequenzstrecken soll allen Beteiligten Vorteile bringen: Die Bahn steigert die Auslastung ihrer Züge, Lufthansa verringert ihre verlustbringenden und umweltverschmutzenden Zubringerflüge nach Frankfurt und kann die freiwerdenden Start- und Landezeiten für die rentableren Verbindungen im Fernverkehr vergeben. Und mit mehreren Verbindungen pro Stunde haben die Kunden bei gleicher Fahrzeit wie im Flugzeug eine größere Auswahl.

Entscheidende Voraussetzung für diese Kooperation von Bahn und Fluggesellschaft ist allerdings die reibungslose Verknüpfung beider Verkehrsträger. Denn ein Großteil der Reisenden nutzt die Kurzstrecken lediglich als Zubringer, um von Frankfurt aus zu Zielen in Europa oder auf anderen Kontinenten weiterzufliegen. So muß es durchgehende Tickets für Jets und Züge geben, einen Check-in am Bahnhof, und vor allem muß ein reibungsloser, passagierbegleitender Transport des Reisegepäcks gewährleistet sein, bislang eine große Schwachstelle der Bahn. In den ICEs müßten die bisher knappen Stauräume drastisch erweitert werden, oder es müßte jeweils ein Waggon zum Gepäckwagen umgerüstet werden.

Ein Pilotprojekt läuft seit Mitte Juni zwischen Saarbrücken und dem Frankfurter Flughafen. Lufthansa-Passagiere können jetzt am Saarbrücker Hauptbahnhof einchecken, ihr Gepäck aufgeben und im modernen Pendolino-Zug in knapp Zweieinviertelstunden bequem zum Rhein-Main-Flughafen anreisen.

Ab September werden diese Tests ausgeweitet - mit einem Kompromiß. Weil die Bahn noch keine Lösung für den Gepäcktransport in den ICEs gefunden hat, können Lufthansa-Passagiere aus Düsseldorf, Köln, Bonn, Nürnberg und Würzburg das sogenannte Moonlight-Check-in nutzen und das Fluggepäck am Vorabend ihrer Abreise am Hauptbahnhof aufgeben und gleichzeitig ihre Bordkarte in Empfang nehmen. Die Koffer werden dann über Nacht zum Flughafen transportiert.

In den kommenden Jahren sollen auch in Köln/Bonn, Düsseldorf, Berlin und Leipzig moderne Flughafenbahnhöfe entstehen, die den Umstieg von der Schiene auf die Jets für die Kunden erleichtern.