Gerade eben die Nachbarin erwischt, die mit einer Tüte Kiwis um die Ecke bog. Dieselbe übrigens, die mitten im Winter Spargel kauft und das ganze Jahr über aus Südafrika eingeflogene Erdbeeren. So was kommt bei uns nicht in die Tüte, jedenfalls nicht außerhalb der hiesigen Saison.

Da heißt es eben hübsch abwarten, nicht wahr, bis die Zuckerschoten hier soweit sind, was zugegebenermaßen mitunter schwerfällt, sich aber lohnt, wenn man das durch ökologische Korrektheit hervorgerufene Wohlbehagen bedenkt.

Ganz klar, daß umweltbewußtes Verhalten in Sachen Essen & Trinken von Kindesbeinen an trainiert werden muß. Wie dies vonstatten gehen könnte, zeigt uns der Österreichische Alpenverein, der sich mit der Aktion "Kilometerjause" an seinen hoffnungsfrohen Nachwuchs wendet. "Überlege, ob du bestimmte Produkte, die es in der Nähe nicht gibt, durch andere ersetzen kannst."

Mahnende Worte auf dem beim Verein für fünfzehn Schilling zu erstehenden "Jausensackerl", mit dem sich der bergsteigende junge Mensch von nun an ausrüsten kann.

Was dort hineindarf? Kein langes Rätselraten, sondern der eindeutige Hinweis auf "Tomaten, Karotten, Paprika und Zwetschken", kurzum: Erzeugnisse aus den Nutzgärten der Alpenrepublik. Außerdem "Milch, Eier und Joghurt", natürlich vom hiesigen Landmann, sowie "Schwarzbrot, Semmel und Vollkornweckerl" vom "Bäcker im Ort". Nahrhafte Genüsse, einzustufen in die vorbildliche Kategorie "Kurzstreckenjause", da aus dem näheren Einzugsbereich.

Nun kann es ja passieren, daß aller Sorgfalt zum Trotz eine versprengte spanische Tomate im Baumwollsäckchen landet, ein "Lebensmittel aus anderen europäischen Ländern" also. Ärgerlich zwar, aber eben noch gelitten, wenngleich, EU-Belange hin oder her: "Du kannst dich noch verbessern!"

Und der gute, alte Schokoriegel? Die magnesiumhaltige Banane, wie kein anderes Lebensmittel für Sporttreibende zur Muskelentkrampfung geeignet? Der erfrischende Schluck "Schwarztee aus Lateinamerika"? Nix da, wettert der Alpenverein, Hände weg von den Exoten!