"Armageddon" gehört zur Gattung der desodorierten Action-Spektakel, die derzeit am Fließband geliefert werden: routinierte Weltverwüstung mit digitalem Dolby-Getöse, pittoresker Steinschlag und Funkenflug, Menschenmassen auf der Flucht. Die Handlung läßt sich in drei Sätzen beschreiben. Asteroid droht auf der Erde einzuschlagen. Ölbohrer Harry Stamper (Bruce Willis) muß mit seiner Truppe ins All, um das Ding zu sprengen. Nach vielen Komplikationen: Welt gerettet, Harry tot.

"Armageddon" ist ein Film, der um ganze Kerle kreist; die Kerle wiederum zirkulieren in verschiedenen Umlaufbahnen um eine Frau: Harrys Tochter Grace (Liv Tyler), aufgewachsen in der Macho-Clique der Superbohrer und zum Unwillen ihres Vaters in seinen Ziehsohn A.J. Frost (Ben Affleck) verliebt. So kommen das Herz und der Schmerz in den gewaltgeladenen Technothriller und bringen ihn von seinem Kurs ab.

Der Zuschauer, ohnehin Voyeur im dunklen Mutterbauch des Kinosaales, hält den Atem an, wenn auch die Figuren auf der Leinwand zu gierigen Beobachtern und Kannibalen von emotionalen Extremzuständen werden, die sie nichts angehen. Nachdem die Entblößung des Körpers kein Skandal mehr ist (und beispielsweise Jasmin Gerat von ihrer Oma Glückwünsche zur gelungenen Nacktstrecke im Playboy bekommt), wird die Enthüllung der Seele zum letzten Schock.

Der Exzeß der Gefühle war immer im Rückzugsraum der Privatheit geborgen. Hinter geschlossenen Türen konnte er seine reinigende Kraft entfalten. Das Inszenieren des Intimen als öffentliche Show wie in "Armageddon", das Zersprengen der Distanz von Image und wahrem Selbst zerstört den Konsens der Effizienzgesellschaft. Und dabei zuzusehen ist ein perverser Thrill, der jeden simulierten Weltuntergang zur Bagatelle degradiert.