Friedrichsdorf bei Frankfurt. Auf einem verlassenen Parkplatz steht er, knallrot und knubbelig - ein New Beetle. Ich streiche um das süße Tierchen rum. Der Schlüssel steckt! Da gibt es kein Zögern: Ich rein, und los geht's. Zwanzig Minuten später steht der Beetle gut versteckt auf einem Hinterhof in der winkeligen Altstadt von Oberursel. Das Glück dauert nur eine halbe Stunde. Zuerst knattert ein Hubschrauber über mein Versteck hinweg. Dann biegt eine schwarze Großraumlimousine um die Ecke. Männer in gelben Jacken springen heraus. Erwischt! Das Spiel ist aus.

Das Spiel für Journalisten hat sich eine Firma namens Detektor AufspürSysteme zur Markteinführung einer neuen Dienstleistung ausgedacht. Für 1290 Mark bekommt man ein Versprechen: Wenn dein Auto geklaut wird, finden wir es innerhalb von zwei Stunden wieder. Mit einer Sicherheit von 95 Prozent. Ruft der Kunde bei Detektor an, weil der Benz weg ist, veranlaßt die Firma ein im Auto verstecktes Funkgerät, ununterbrochen Notsignale zu senden. Eine große (und streng geheime!) Zahl von mobilen und stationären Lauschstationen im ganzen Bundesgebiet kann solche Signale empfangen. Notfalls steigen speziell ausgerüstete Hubschrauber auf. Ist das Auto grob geortet, fährt ein Spezialfahrzeug los, das den exakten Standort finden kann. Der Rest ist Aufgabe der Polizei.

In Deutschland war es jahrelang ein Problem, von der Bundespost eine Funkfrequenz für Detektor zu ergattern. "Wir sind ein Pflänzchen der Deregulierung", sagt Geschäftsführer Hans Joachim Kreuzer. Dummerweise kommt die Markteinführung (im September) zu einem Zeitpunkt, da sich die Verbreitung der Wegfahrsperre in Neuwagen in der Kfz-Diebstahlstatistik heftig niederschlägt: minus 30 Prozent seit 1993. Doch die LoJack-Vertreiber können auf die Kreativität der Kriminellen bauen. Scanner, mit denen die Wegfahrsperre auszutricksen ist, besorgt sich der Profi für ein paar hundert Gulden in Holland.

Funkgestützte Aufspürsysteme sind in Deutschland bislang eher im Bereich der Nutzfahrzeuge bekannt. Einige Spediteure schützen Fahrzeuge und Container mit Sendern, die in der Lage sind, ihre Position mithilfe der GPS-Satellitennavigation zu ermitteln und über Mobilfunk mitzuteilen. Den Nachteil solcher Systeme - neben dem hohen Preis - kennt jeder Handybesitzer: Sie funktionieren nicht im Funkschatten, versagen schon in mancher Garage. Detektor dagegen arbeitet mit reflexionsfreudigen Funkwellen, die auch um Ecken und durch Ritzen gehen. Steht der gestohlene Wagen im Hamburger Hafen in einem Container, müßten die Containertüren schon verschweißt werden, um den Sender komplett abzuschirmen. Der Anbieter behauptet, Autos auch zwei Etagen unter der Erde und in Bunkern mit stahlarmierten Betondecken wiederzufinden.

Clevere Autodiebe können die bisherigen GPS-Aufspürsysteme leicht lahmlegen, indem sie die Antenne suchen und abbrechen. Das Funkteil von Detektor dagegen wird in ausgewählten Werkstätten an einer geheimen Stelle, die nicht einmal der Fahrzeugbesitzer kennt, versteckt. Kein Aufkleber am Fahrzeug verrät den elektronischen Schutz. In den USA sollen umsichtige Autodiebe schon dazu übergegangen sein, ein Fahrzeug drei Tage auf einem Parkplatz abzustellen. Ist es dann nicht von LoJack gefunden, darf der Dieb annehmen, daß keine Gefahr mehr droht.

Die Firma Detektor AufspürSysteme, eine ausschließlich zur Vermarktung der LoJack-Idee im deutschsprachigen Raum gegründete GmbH, beschäftigt fünfzig Mitarbeiter. Dem System arbeiten aber viel mehr externe Kräfte zu. Derzeit werden überall in Deutschland Taxen mit Empfangsgeräten ausgerüstet, um im Fall der Fahndung dem Piepsen eines gestohlenen Wagens nachzulauschen. Sicherheitsdienste und Geldtransportunternehmen lassen sich Peilgeräte in ihre Fahrzeuge einbauen, um jederzeit auf Zuruf loszujagen.

Denn oft geht es um Minuten. Erreicht ein Dieb mit dem entwendeten Wagen die Bundesgrenze, verhallen die Detektorsignale ungehört. Leider wird in den Ländern, die ein solches System einsetzen, auf verschiedenen Wellenlängen gefunkt. So ist der Versuch, in Deutschland dieselbe Frequenz wie in England zu bekommen, an einem technischen Problem gescheitert: Hierzulande wird diese Frequenz gebraucht, um Schleusen zu steuern. Ein Autodiebstahl hätte Überschwemmungen zur Folge haben können.