Ohne Zweifel, der Medienboom hält an. Es wird kräftig investiert, vor allem in das Leitmedium Fernsehen. Doch mit dem Kindersender Nickelodeon und dem Wetterkanal mußten die ersten bereits die Party verlassen. Und viele Medienmacher, die als Seiteneinsteiger auf einem unsicheren Arbeitsplatz gelandet sind, reiben sich verkatert die Augen.

Denn das wirtschaftliche Wachstum gründet sich vor allem auf Rationalisierungsmaßnahmen, auf "Entschlackung", Stellenstreichungen, verstärkte Beschäftigung von Freiberuflern und das Outsourcing oder den Ankauf von Leistungen. Wer da nicht bringt, was von ihm erwartet wird, muß möglicherweise eher gehen, als ihm lieb ist. Die Branche, die einer verschärften Marktsituation ausgesetzt ist und einem enorm schnellen technischen Wandel, wünscht sich vor allem eines: verläßlich qualifizierte Mitarbeiter und davon ein möglichst großes Reservoir. Die Seiteneinsteiger scheinen damit überholt zu sein; viele der Selfmade-Leute, die mit Enthusiasmus in die Medienwelt starteten, sind ausgebrannt, können oft auf veränderte Anforderungen nicht flexibel reagieren, da es ihnen an Grundwissen mangelt.

Angesichts der vielen Hindernisse ist erstaunlich genug, daß in den vergangenen Jahren überhaupt erste Lehrlingsklassen für Berufe aus dem Bereich der audiovisuellen Medien eingerichtet werden konnten. Da mußten bürokratische Hürden durch die Auflagen des Berufsbildungsgesetzes überwunden und in langwierigen Verhandlungen Übereinstimmungen erzielt werden zwischen den unterschiedlichsten Unternehmen, zwischen Arbeitgebern und den jeweiligen Dachverbänden, bis von den Industrie- und Handelskammern die Prüfungsordnungen erstellt werden konnten. Vor allem aus Nordrhein-Westfalen, das gerne Modellstandort für die Medienzukunft sein möchte, kamen Anregungen, wurden Pilotprojekte initiiert wie etwa die Einführung des Berufsbildes Kaufmann für audiovisuelle Medien.

Vom 1.August an wird diese Ausbildung bundesweit anerkannt wie auch die des Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, der Fachkraft für Veranstaltungstechnik und des Mediengestalters für Digital- und Printmedien. Der soll lernen, medienneutrale Daten herzustellen, also einmal zur Verfügung gestellte Daten so zu bearbeiten, daß sie mit geringem Aufwand für mehrere Anwendungsgebiete aufbereitet werden können. Das Konzept dieser neuen Ausbildungsberufe soll "generalisierte Spezialisten" erzeugen, die in vielen Funktionen einsetzbar sind - dies gilt auch für die in den Vorjahren eingeführten Ausbildungsgänge Mediengestalter Bild/Ton und Film- und Videoeditor. Es fragt sich nur, welche Betriebe, Berufsschulen oder Ausbilder gefunden werden können, um Standard, Einheitlichkeit und zugleich Flexibilität zu gewährleisten sowie die proklamierte Orientierung an der jeweils neuesten Entwicklung.

Läuft es vielleicht auch hier in letzter Konsequenz auf Versuch und Irrtum hinaus? Einige Fehlermeldungen gibt es schon: Am Markt vorbei entwickelt wurde etwa der 1996 eingeführte Beruf Film- und Videolaborant. Im Zuge der Digitalisierung wird dessen Bedeutung immer geringer, es gibt schon jetzt kaum noch Ausbildungsbetriebe.

Ein kurzes Leben war auch dem vermeintlichen Zukunftsberuf des Werbevorlagenherstellers beschieden, der 1995 bundesweit anerkannt, 1996 durch den Werbe- und Medienvorlagenhersteller ersetzt wurde und sich jetzt in den Mediengestalter für Digital- und Printmedien auflöst. Positive Bilanzen können dagegen der Beruf Mediengestalter Bild/Ton und die vier neuen Ausbildungsgänge aus dem Bereich der Informations- und Telekommunikationstechnik (IT) vorweisen. Schon im ersten Jahr wurden 4200 Ausbildungsverträge in den ITBerufen abgeschlossen.

So unübersehbar einzelne Probleme sind, so notwendig erscheint es doch, durch das Regulativ einer strukturierten Ausbildung mehr Transparenz zu schaffen - allein schon, um dem Treiben von nebulösen Schulungsanbietern endlich ein Ende zu machen. Nur sollte das Beschwören einer rosigen Medienzukunft Berufseinsteigern nicht den Blick für die Risiken und die Wechselhaftigkeit der Branche trüben.