Auch im Erftkreis herrscht Wahlkampf. Und da der Abgeordnete Klaus Lennartz (SPD) sein Direktmandat im Bundestag behalten möchte, haut er mächtig auf den Putz. Eine "Erfolgsstory à la SAP" bahne sich in dem Landstrich vor den Toren Kölns an, frohlockt der Politiker, wohl wissend, daß die Aussicht auf neue Arbeitsplätze die Chancen seiner Wiederwahl verbessert.

Die Euphorie erscheint maßlos übertrieben. SAP, der Softwaregigant aus dem badischen Walldorf, bringt es mit mehr als 13000 Beschäftigten inzwischen auf rund sechs Milliarden Mark Umsatz. Dagegen nehmen sich Lennartz' heimische Hoffnungsträger wie Zwerge aus. Die beiden Firmen, denen der Parlamentarier so viel zutraut, heißen DSA Digitale Systeme für Archivierung GmbH und Zippel Kommunikation, beschäftigen jeweils rund 170 Leute und setzten zuletzt etwa zwölf respektive siebzig Millionen Mark um.

So viel Lob dürfte den Adressaten kaum in Verlegenheit bringen. Denn an Selbstbewußtsein mangelt es Olaf Schmitz nicht. Kein Wunder bei einem Siebenundzwanzigjährigen, der mit sechzehn die erste Firma gründete, diese vier Jahre später mit hundert Beschäftigten wieder verkaufte, nebenher Abitur machte, anschließend eine Banklehre absolvierte und nun mit seinem neuen Unternehmen den Gang an die Börse anpeilt.

Das hohe Tempo ist nicht zuletzt auch genetisch bedingt. Schmitz bezeichnet sich selbst als "Kurzschläfer". Da er mit vier Stunden Bettruhe auskommt, kann er nachts munter ans Tagwerk gehen. Er habe "halt immer früher Dinge gemacht als die anderen, weil ich mehr Zeit hatte", sagt der Jungunternehmer.

Bereits mit neunzehn Jahren verkaufte er seine erste Firma

Auf die erste Geschäftsidee brachte ihn sein Vater. Der belieferte norwegische Ölplattformen mit Geräten und suchte Computerunterstützung für die Buchhaltung. Schmitz junior entwickelte eine Software für Warenwirtschaftssysteme, die offenbar nicht nur für den Hausgebrauch taugte. Zur Vermarktung gründete der Teenager mit Erlaubnis des Vormundschaftsgerichts die DV-Technik GmbH, die ihr Geschäft später auf Computernetzwerke ausweitete. Als dann "Probleme mit dem Wachstum und dem Personal" auftauchten, verkaufte der Neunzehnjährige die Firma 1990 in "kleinen Stücken" und machte dabei "gut Kasse".

Einen Teil des Gewinns steckte Schmitz in die nächste Unternehmung. Während seiner Ausbildung zum Bankkaufmann war ihm aufgefallen, daß die Suche nach Akten oft ebenso viel Aufwand erfordert wie deren Bearbeitung. "Papierarchive und Mikrofilme haben ausgedient und werden durch die elektronische Ablage ersetzt", sagte sich Schmitz und gründete 1993 die DSA, die mittlerweile aus drei Geschäftsbereichen besteht: Mediaservice als Dienstleister holt Belege vom Kunden ab, setzt sie über Scanner in digitale Daten um und schickt sie, zum Beispiel auf CD gespeichert, zurück. Mit dem System Archibald können Großunternehmen ihre Dokumentenbestände elektronisch archivieren und verwalten. Documind schließlich ist eine Software für mittelständische Betriebe, mit der sich Informationen aus verschiedensten Quellen heraussuchen lassen.