Playa del Inglés im Süden von Gran Canaria, das sind Dünen wie in der Sahara, ein Strand wie auf Mallorca und Hotels, als hätte die Neue Heimat sie errichtet - hunderttausend Betten auf zweieinhalb Quadratkilometern. Die Kneipen heißen "Zapfsäule" oder "C'est la vie", der Sangríapreis liegt bei 1400 Peseten pro Liter. In den Dünen schaukeln Reitkamele, auf dem Wasser tanzen Jetskis. Am Strand blicken die Menschen erwartungsfroh nach oben.

Es ist kurz nach 16 Uhr. Ein blau-gelber Fallschirm schwebt herab. Ist das nicht? ... Das ist doch ... Hallo, Herr Möllemann!

Er hat ein wenig zugenommen seit seinem letzten Wahlkampfphoto; die berühmte Stromlinienfrisur des Wirtschaftsministers ist mittlerweile leicht ergraut und jetzt auch zerzaust. Die obere Hälfte seines Overalls hat er sich locker um die Hüften gewunden und begibt sich so zum Stand der FDP.

Sommer, Sonne, Palmen, Wahlkampf - paßt das zusammen? "Im Urlaub kann ich den Leuten nicht mit aggressiver Politik kommen", findet der Fallschirmspringer - der Strand von Gran Canaria ist einfach nicht die richtige Umgebung für eine Schlammschlacht. Aber: "Wenn ich mit dem Schirm da runterkomme, dann ist die Sympathiebrücke schon gebaut. Da brauche ich gar nicht mehr viel über Parteipolitik zu reden."

Statt dessen verteilt Jürgen Möllemann Tüten mit Gummibärchen und der Aufschrift "FDP Die Liberalen" sowie Sonnencreme "mit Steuerschutzfaktor 98". Solche Werbeartikel, heißt es in einem Fachbuch, werden "ohne feste Bindung an eine Leistung, jedoch in Erwartung einer solchen vergeben". Das Vorwort hat Jürgen W. Möllemann verfaßt. Welche Leistung erwartet er? "Ob die mich nun alle wählen, weiß ich natürlich nicht", sagt er, "aber sie reden darüber", und darauf kommt es ihm an.

So verschenkt er großzügig Brillenputztücher für "den richtigen Durchblick" und gelb-blaue Jo-Jos für die Kleinen. Am besten gehen die Schirmmützen mit Parteilogo, die der Exminister bereitwillig signiert. "Vorgestern kam ich hier runter, da haben sich die Leute in Reihe aufgestellt, dreißig hintereinander, um Autogramme zu bekommen."

Wer auf Argumente partout nicht verzichten mag, für den hat Möllemann einen Handzettel mit seinem Photo und dem Motto "Fliegen ist Freiheit" vorbereitet. Der Text handelt nicht von der FDP, sondern allein von den Grünen: Kämen die an die Macht, werde es "mit dem schönen Urlaub bald vorbei sein", denn "bei einem Benzinpreis von fünf Mark pro Liter wäre ja schon die Autofahrt zum Flughafen kaum noch zu bezahlen". Dieses Argument, sagt Möllemann, komme in Playa del Inglés gut an.