Vor allem eine leidensfähige Leber muß er mitbringen, unser Museumsdirektor von morgen. Ein Partylöwe sollte er sein, ein Scharwenzelkönig, der allabendlich ausschwärmt auf die wichtigsten Empfänge der Stadt, um Kunst und Kapital zu verkuppeln. Um die Zukunft zu gewinnen, das weiß unser Direktor, muß man die alten Rahmen sprengen, und so vermietet er sein Museum auch öfters mal für ein Bankett oder ein Festgelage. Christian von Holst, der Leiter der Stuttgarter Staatsgalerie, kennt diese Zukunft bereits - doch Parties mit Kunstaura sind für ihn nur ein bescheidener Anfang. Er plant den ganz großen Aufbruch, sein Museum soll sich wandeln zum "modernen Unternehmen", wie er sagt, und wurde deshalb neun Monate lang von Beratern des McKinsey-Instituts durchleuchtet.

Zu größeren Verrenkungen besteht zwar gar kein Anlaß, räumt von Holst ein, denn der Etat seines Hauses ist gut dotiert und ungefährdet. Doch offenbar will die Staatsgalerie gern zum Mustermuseum im Musterländle avancieren und probt daher schon einmal die Kunst der Kapitalbindung. Diese ist eher unerfreulich für den Besucher, weil die Eintrittspreise fast verdoppelt werden; erfreulich hingegen für den Investor, denn das Museum wird zum Marktplatz. Eigens für die Staatsgalerie soll jetzt von einer Bank ein Kunstmarktfonds aufgelegt werden, an dem investitionsfreudige Kulturfreunde Anteile erwerben können. Mit dem Geld des Fonds werden dann Gemälde gekauft - ausgewählt von der Staatsgalerie und von dieser auch in der eigenen Sammlung präsentiert. Neun Prozent Rendite prognostizieren die Fachleute von McKinsey, schließlich läßt sich ein weihe- und wirkungsvollerer Werberahmen für die Wandaktien des Fonds kaum vorstellen. Und die Prognose für das Museum? Glänzend, sagen die Unternehmensberater: Das Publikum werde herandrängen, um sich an den millionenschweren Werten zu ergötzen. Allerdings nur auf unbestimmte Zeit, denn wenn ein gutes Angebot eingeht, kann der Fonds die Kunstwerke auch jederzeit wieder verkaufen.