Der afrikanische Kontinent ist noch immer Stiefkind der deutschen Kultur- und Sozialwissenschaften. International hat sich die Forschung inzwischen jedoch so weit ausgefächert, daß selbst Regionalspezialisten weitgehend den Überblick verloren haben. John Middleton, emeritierter Professor für Ethnologie an der Yale-Universität, hat nun mit der vierbändigen "Encyclopedia of Africa South of the Sahara" (Charles Scibner's Sons, New York 1997, XL + 2465 S., US-$ 399.75) ein in jeder Hinsicht gewichtiges Werk herausgegeben, das versucht, den Wissensstand der neunziger Jahre in Stichworten zu bündeln. Weit über 500 Wissenschaftler aus aller Welt - darunter zahlreiche Afrikaner - haben fast 900 Einträge geliefert: zu Ländern, Regionen, Städten, Gesellschaften, Personen, Epochen und zu einem breiten Spektrum an wichtigen Themenfeldern, wie etwa Landwirtschaft, Apartheid, Staatsbildungsprozesse und Negritude. Hinzu kommen drei einführende Essays über methodische und konzeptionelle Probleme bei der Beschäftigung mit Afrika. Der umfangreiche Anhang vereint Kurzbeiträge zur Afrikaforschung außerhalb des Kontinents, ausführliche Zeittafeln sowie - sicher nicht unproblematisch - detaillierte Listen ethnischer und Identitätsgruppen. Ein vorzüglicher Index rundet die Enzyklopädie ab. Der prohibitive Preis der Bände wird Privatkunden abschrecken, doch die Enzyklopädie gehört zumindest in jede gute öffentliche und wissenschaftliche Bibliothek.