Charles Pasqua ist eine Dauererscheinung der französischen Innenpolitik.

Seit Mitte der sechziger Jahre ist er dabei, immer scharf am rechten Rand der Gaullisten. Zweimal ist er Innenminister gewesen. Als Gemäßigten hat man ihn nicht in Erinnerung.

Vor genau einem Jahr wurde er gefragt, was passiere, wenn die neue linke Regierung einen anderen Kurs in der Einwanderungspolitik einschlage. Und illegalen Einwanderern einen ordentlichen Status gebe. Ganz einfach, antwortete Pasqua und malte ein Schauderszenario: Das setze eine ungeheure Sogwirkung frei, führe zu einem Anstieg von Kriminalität und Ausländerfeindlichkeit, schließlich zu einem kräftigen Auftrieb für die Rechtsextremisten.

Jetzt, nach dem Fußballsieg der bunt gemischten französischen Mannschaft, hat Pasqua seine Worte im Mund umgedreht. Ausdrücklich fordert er die linke Regierung zu einer "großzügigen Geste" gegenüber 70 000 illegalen Einwanderern auf. Die Regierung und die großen Parteien sind in Verlegenheit.

Die kleineren Partnerparteien der Linken feixen. Ist Pasqua, ihr Erzfeind, auf einmal zu liberaler Milde bekehrt? Wohl kaum. Pasqua bleibt ein Gaullist alten Schlages. Seine Worte gehören zum Selbstfindungsversuch einer Rechten, die immer noch ihren Platz sucht zwischen Sozialisten und Rechtsextremisten.