Es wäre töricht, zu bestreiten, daß es Parteibuchkarrieren gibt (übrigens nicht nur in Hamburg und nicht nur bei der hier regierenden Partei). Rainer Frenkel suggeriert aber, daß alle Inhaber einer hervorgehobenen Position, die einer Partei angehören, diese Position ausschließlich ihrer Parteimitgliedschaft verdanken, daß sie eigentlich ihr Gehalt nicht verdienen und daß sie weniger leisten als Nichtmitglieder. Er unterstellt, daß Amtsträger wie die Präsidenten der Hamburger Hochschulen, der Präsident des Verfassungs- und Oberlandesgerichts oder der Leiter einer Ministerialabteilung in ihren Ämtern für ihre Partei arbeiten, statt sich an ihren Amtspflichten zu orientieren, und daß die Geschäftsführer der öffentlichen Unternehmen diese so führen, als wären sie ihr Privateigentum oder das ihrer Partei. Er etikettiert Individuen ohne individuelle Beurteilung, um allgemeine Tendenzen zu bezeichnen, und er tut das in einem abfälligen Ton. Das ist schlechter Stil und den Betroffenen gegenüber unfair.

Prof. Hans Peter Bull SPD, Hamburg

Solange die sozialdemokratische Partei nicht befürchten muß, daß sie wegen dieser demokratieschädlichen Praxis abgestraft wird - und das kann ja nur über Wahlen erfolgen -, so lange wird sich auch an ihrer Funktion als "Arbeitsamt für zu versorgende Genossen" überhaupt nichts ändern.

Josef Czerwionka Hamburg

Wann erscheint der Artikel "Der schwarze Filz" über Stuttgart oder jeden beliebigen Ort in Baden-Württemberg oder in jedem Bundesland, in dem die CDU oder die CSU den Ton angibt?

Otger Braun Mühlhausen-Ehingen

In dem zweifelsohne sehr interessanten Artikel kann beim Leser der Eindruck entstehen, daß der hier genannte Präsident der Universität, Dr. Jürgen Lüthje, sein Amt der "Firma" (SPD) verdankt. Universitätspräsidenten werden jedoch, nach Ausschreibung der Stelle in der ZEIT, in geheimer Wahl von einem Gremium gewählt, das aus Professoren, wissenschaftlichen und technischen Mitarbeitern sowie Studenten der Universität besteht und das seinerseits in geheimer Wahl von den Mitgliedern der Universität gewählt wird. Wenn der Gewählte Mitglied einer Partei ist, so nimmt er nur sein Recht als Bürger in Anspruch, ein Zusammenhang mit dem Amt ist in diesem Falle sicher nicht gegeben.