Der erste war Jürgen W. Möllemann. Er kam mit dem Fallschirm, rollte sich ab und baute am Landeplatz seinen Parteistand auf: T-Shirts, Programme und, natürlich, Autogrammkarten. Dann kam Wolfgang Gerhardt, klebte blau-gelbe Plakate und hielt eine Rede. So soll es sein im heißen Wahlkampf, und es hätte wohl auch niemand Anstoß genommen, wäre die FDP nicht ausgerechnet auf der spanischen Ferieninsel Mallorca aktiv geworden.

Nun drohen bilaterale Verwicklungen. Der Deutsch-Mallorquinische Unternehmerverband beklagt "einen Mangel an politischem Takt". Ausländische Politiker seien auf der Insel "nicht gerne gesehen". Die Sozialistische Partei Mallorcas spricht sogar von "Kolonialismus".

Alle Hoffnung richtet sich jetzt auf den deutschen Außenminister. Doch Klaus Kinkel, selbst ein Liberaler, will diesmal nicht helfen: Zu lange schon leidet er an den Parteifreunden, die ohne ihn Wahlkampf machen.

Gerhardts Beschwichtigungsversuch ist gescheitert: Sein Appell, die deutschen Landsleute mögen die Sprache der Insel erlernen, konnte nach Lage der Dinge nur weiteres Mißtrauen säen. Die Mallorquiner verlangen ein Zeichen. Am Ende werden die Liberalen wohl nicht umhinkommen, den Vorschlag der grünen Konkurrenz aufzugreifen und alle Mallorca-Reisen zu kontingentieren. Auf Sylt ist für die FDP ohnehin mehr zu holen.