Wenn am 27. September in Bonn über den Machtwechsel entschieden wird, sind die Brandenburger aufgerufen, auch ihre Kommunalparlamente zu wählen.

Ostdeutscher Politikverdruß könnte allerdings dazu führen, daß sich mancherorts nicht genügend Kandidaten finden, so daß der Urnengang ins Wasser zu fallen droht.

Dabei gibt sich die Landesregierung redlich Mühe, Interesse zu wecken: Und so sind an einem Dienstag abend drei Herren aus der Landeshauptstadt eigens zur Überzeugungsarbeit ins Kreisstädtchen gekommen - ein Fachmann aus dem Innenministerium, ein Politologe, ein Referent vom Städte- und Gemeindebund.

Potsdam-Prenzlau, 150 Autobahnkilometer hin, 150 zurück, alles nach Dienstschluß, kein Vergnügen, zumal die Runde ahnt, was sie im Prenzlauer Kulturhaus erwartet: demonstrative Leere in der ersten Stuhlreihe, dahinter höchstens jeder zweite Platz besetzt. Die Referenten kennen dieses Bild. Es begleitet sie einen Monat lang, in dem sie in dienstlicher Mission die Brandenburger Lande durchqueren, um die blinden Flecken von der Landkarte zu putzen - Flecken, von denen bisher keiner weiß, wo sie sind, aber jeder ahnt, daß es sie am Wahltag geben wird.

Schert es die "große" Politik, wenn sich für 1500 Kommunen nicht ausreichend "kleine" Politiker finden? "Kommunalwahlen", sagt der Politologe Thomas Heineke, der als kommunalpolitischer Referent die Situation in den neuen Bundesländern beobachtet, "sind wie der Pulsschlag der Demokratie. Sie sind Spiegelbild der politischen Befindlichkeit." In Ostdeutschland zeigt dieser Spiegel dem Politologen ein bedenkliches Bild: "Die Leute haben immer weniger Lust, sich für die Allgemeinheit zu engagieren. Viele, die sich 1990 mit Elan in die Politik gestürzt hatten, sind desillusioniert, es herrscht Politik- und Politikerverdrossenheit."

Schon bei den letzten Kommunalwahlen blieben in Brandenburg zehn Prozent der Mandate unbesetzt, in einigen Kommunen kam keine Gemeindevertretung zustande.

In diesem Jahr fürchten Beobachter eine noch stärkere Abstinenz, und die Parteien haben Mühe, ihre Wahllisten mit Kandidaten zu bestücken. Selbst die PDS, sonst allgegenwärtig und mit 15 000 Parteigängern in Brandenburg mitgliederstärkste Partei, spricht von "Riesenproblemen." Ein Drittel der amtierenden PDS-Mandatsträger hat in einer Umfrage bereits erklärt, nicht wieder kandidieren zu wollen.