Berlin

In der Oderberger Straße im Prenzlauer Berg ist Dietmar Halbhuber bekannt. In einem Hof zwischen Vorder- und Hinterhaus hatte er schon zu DDR-Zeiten eine festen Bühne für seine Gedichte, Verse und Lieder. Jetzt zieht er mit einem Balladen- und Liederprogramm von Lene Voigt vor allem durch die östlichen Bundesländer. Alles in Sächsisch. Dietmar Halbhuber hat in den letzten zwanzig Jahren einiges ausprobiert. Ein bewegtes Leben zwischen Journalismus, Bürgerbewegung und Dichtkunst, zwischen Bauernidylle und Großstadtleben.

Er war "Abbuchungswerber", mußte Stromkunden von der Nützlichkeit einer Konto-Einzugsermächtigung überzeugen

er hat Spargel gezüchtet, in manchen Nebensätzen auch Schafe, und Gedichte geschrieben. Begonnen hat er als Jugendkorrespondent der Jungen Welt. Ohne Schere im Kopf machte er seiner Wut über schlechte Ausbildungsbedingungen Luft. Ein paar Tage später waren seine Forderungen erfüllt. Da wußte er, das ist ein Beruf für ihn, damit läßt sich endlich diese kleine DDR, ja vielleicht sogar die Welt, verändern. Mit siebzehn ist er in die SED eingetreten, mit achtzehn gab's die erste Parteistrafe: Er hatte nicht verhindert, daß die Stimme Willy Brandts in der Aula der Karl-Marx-Oberschule zu hören war.

Bei der Jungen Welt in Berlin verflogen die Träume schnell vom Rädchen Halbhuber, daß die Riesen-Maschinerie aus den Angeln heben wollte. "Die Maschine spuckt das Rädchen aus, wenn's nicht funktioniert wie sie." Dietmar Halbhuber ging vorher - natürlich nicht ohne, daß ganze Kommissionen versucht hätten, ihn umzustimmen. DDR-Journalisten hatten klare Aufträge, jemanden, der auswanderte auf einen Bauernhof nach Mecklenburg, verstand man nicht.

Dort schrieb er sich "den ganzen Beruf vom Leib", den Sozialismus auch. Im Schriftstellerverband bot man sofort Hilfe an, eine Kommission pflichtbewußter Autoren wollte mit ihm an beschwingteren Texten arbeiten.

Halbhuber hatte keine Lust und trat aus der Partei aus.