Personalwechsel an der Spitze der Universität Witten/Herdecke: Vielleicht schon im Sommer nächsten Jahres, spätestens aber im Januar 2000 soll der Philosoph Walther Ch. Zimmerli dort das Amt des Universitätspräsidenten übernehmen. Er wird dann den amtierenden Präsidenten Konrad Schily ablösen.

Noch hat Zimmerli nicht offiziell ja gesagt, noch wurde ihm das Amt lediglich "angeboten", doch es bestehen kaum Zweifel daran, daß er annehmen wird. Ein ganz normaler Personalwechsel an der Spitze einer Hochschule?

Nichts, was in Witten/Herdecke geschieht, ist so ohne weiteres mit dem normalen akademischen Tagesgeschäft zu vergleichen. Und die Behauptung ist nicht zu hoch gegriffen, daß mit dem Wechsel der Präsidentschaft auch eine Ära in Witten/Herdecke zu Ende geht. Konrad Schily hat die Universität nicht nur gegründet, sondern sich weit über die Erfordernisse seines Amtes hinaus mit ihren Zielen, Erfolgen und auch Mißerfolgen identifiziert.

Dabei wird seit der Gründung der ersten privaten Universität in Deutschland 1982 praktisch alles, was dort passiert und ausprobiert wird, mit viel mehr Aufmerksamkeit und auch Argwohn bedacht, als es die Größe und Bedeutung des Hochschulzwergs im Ruhrgebiet eigentlich rechtfertigen. Denn die Hochschule ist auch ihrem eigenen Anspruch nach ein Modell dafür, wie die Universitäten in Deutschland eigentlich aussehen sollten und könnten.

Witten/Herdecke entstand in der hochschulpolitischen Eiszeit der achtziger Jahre. Die Politik hatte alle hochfliegenden Reformpläne begraben und wollte nichts mehr hören vom Wehklagen der überlasteten und unterfinanzierten Hochschulen. Die wiesen ihrerseits jedes Ansinnen weit von sich, sich aus eigener Kraft zu reformieren - mit dem Argument, der Staat gebe ihnen dazu nicht genug Geld.

In dieser Situation entschloß man sich in Witten/Herdecke, die Universität aus der staatlichen Bevormundung zu befreien, sie nach eigenen Vorstellungen zu verwalten und zu gestalten. Hochschulautonomie mit all ihren Versatzstücken vom Globalhaushalt bis hin zum Verfahren, sich die Studenten selbst auszusuchen - Witten/Herdecke macht vor, was heute auf dem Reformzettel vieler Rektoren und Hochschulpolitiker steht.

Gleichzeitig besteht die Universität aber - und darin unterscheidet sie sich deutlich von allen anderen Erneuerungskonzepten der Business und Law Schools - neben dem inhaltlichen auch auf einem hohen sozialen Anspruch. Die Wittener Studenten sollen nicht nur zu großer fachlicher, sondern ebenso zu sozialer Kompetenz ausgebildet werden. Sie sollen als bessere, weil über die Fachgrenzen hinausblickende, zu sozialem Handeln fähige Ärzte oder Wirtschaftler positiv auf die Gesellschaft wirken.