Gerade hatte er Premiere in Mailand im Teatro Verdi, der Schauspieler als Regisseur, am nächsten Tag ins Flugzeug und nach Berlin - rein ins Theater, und schon tigert er auf der noch dunklen Bühne des Berliner Ensembles hin und her, in einer halben Stunde beginnt die Vorstellung: "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" von Bertolt Brecht. Es ist Heiner Müllers letzte Inszenierung, seit drei Jahren wird sie mit großem Erfolg und weltweit vor ausverkauften Häusern gespielt. Arturo Ui, der hechelnde Hund, der größenwahnsinnige Clown, ist Martin Wuttke.

Am nächsten Morgen beginnen die Proben für "Dantons Tod" - eine Inszenierung Robert Wilsons für die Salzburger Festspiele 1998 (Premiere ist diese Woche, am 25. Juli), eine Koproduktion der Festspiele mit dem Berliner Ensemble.

Martin Wuttke spielt den Danton.

In vier Mailänder Wochen hat er pausenlos probiert: "Quartett" von Heiner Müller mit Schülern des Schauspielstudios Paolo Grassi. Die Premiere war ein Erfolg, gestern wurde in Mailand applaudiert, heute wird in Berlin weitergearbeitet. Wenn er von der Arbeit erzählt, mit kurzärmligem Rippenhemd im Hof des Berliner Ensembles sitzend, das Textbuch von Büchners Drama vor sich, sieht die Theaterarbeit nach Maloche aus, hat etwas vom Ruhrpott, aus dem er kommt. Noch schwärmt er von der Unvoreingenommenheit der Schüler, von den Proben in Mailand. Nach zähen drei Jahren am Berliner Ensemble, wo er als Regisseur und als Intendant auch eine Rolle zu spielen hatte, sei ihm das wohl besonders aufgefallen.

Die Probenzeit für "Dantons Tod" ist kurz. Er lernt Text: "Da, da, was liegt hinter dem?" und zeigt einem fiktiven Gegenüber auf die Stirn. "Das ist der dritte Satz, den Danton im Stück sagt!" Und er schüttelt den Kopf, als wolle er Grillen daraus vertreiben. Er probiert nicht das erste Mal mit dem amerikanischen Regisseur

"Forest" hat er mit ihm gemacht vor zehn Jahren an der Freien Volksbühne in Berlin.

Robert Wilson probiert "Dantons Tod" ununterbrochen, auf seine Weise - Martin Wuttke, der die Titelrolle spielt, auf seine: Text lernen, probieren - verzweifeln. Verzweiflung ist eine Art Probenmethode bei ihm. Die Frage, was das eigentlich alles soll, trägt nicht unwesentlich zur Verzweiflung bei.