Rolf-E. Breuer, der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, hört gerne klassische Musik. Doch derzeit sind eher seine sportlichen Qualitäten gefragt. "Wir müssen einen Spagat schaffen", hatte Breuer kürzlich erklärt: Noch habe der Geldgigant in der Öffentlichkeit das Image, "klotzig" zu verdienen. Tatsächlich befinde sich der hiesige Branchenprimus aber in einer "bedrohlichen" Situation.

Jetzt muß der Vorturner des Frankfurter Finanzkonzerns wieder zu extremen Dehnübungen auf die Matte. In der Zwischenbilanz, die Breuer am nächsten Montag präsentiert, dürfte die Bank zwar für das erste Halbjahr einen deutlich gestiegenen Gewinn ausweisen. Doch in anderen Disziplinen geht es bergab: Die Deutsche Bank hat massive Probleme im Investmentbanking und droht in diesem lukrativen und wachsenden Geschäftsfeld endgültig den Anschluß an die Weltspitze zu verlieren.

"Deutsche Bank geschockt", titelte die englische Zeitung Observer am Wochenende und meldete damit den Abschied von Rory Macnamara aus den Diensten des größten Geldhauses der Bundesrepublik. Mit dem Weggang des Direktors der Londoner Investmentbank-Abteilung setzt sich die Massenflucht der Mitarbeiter, die das Kreditinstitut seit einigen Monaten erschüttert, fort.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Wechsel des gesamten, aus rund hundert Experten bestehenden amerikanischen Technologie-Teams unter Superstar Frank Quattrone zum Konkurrenten Credit Suisse First Boston (CSFB) für Schlagzeilen gesorgt. Seit der Kündigung der beiden Topmanager Carter McClelland und Maurice Thompson zu Beginn des Jahres laufen dem Geldhaus die Experten gleich scharenweise davon.

Der Exodus ist Folge gravierender Managemenfehler. Der Vorstand des Kreditinstituts hatte im Investmentbanking, das sich hauptsächlich mit Unternehmensfusionen und ertragreichen Kapitalmarktgeschäften befaßt, von Anfang an einen verwirrenden Zickzackkurs eingeschlagen. Nach dem Kauf von Morgan Grenfell im Jahr 1989 ließ die Frankfurter Zentrale ihre britische Investmenttochter erst einmal an der langen Leine. Fünf Jahre später wurde beschlossen, die Kräfte in einer neuen Einheit, der Deutsche Morgan Grenfell (DMG) mit Hauptsitz London, zu bündeln. Dies bescherte dem Geschäftszweig zwar beachtliches Wachstum, löste aber innerhalb des Konzerns einen Kulturschock aus: Die Deutschen fühlten sich von ihren angelsächsischen Kollegen bevormundet und mußten neidvoll mit ansehen, daß die unterdessen von zahlreichen anderen Banken abgeworbenen Spezialisten auch noch deutlich besser bezahlt wurden.

Die innerbetriebliche Rivalität sorgte nicht nur für böses Blut, sondern auch für erhebliche Reibungsverluste: Frankfurter Kreditleute und Londoner Investmentbanker konkurrierten um Firmenkunden, die, genervt von der geballten Aufmerksamkeit, zunehmend zu diskreteren Geldhäusern überliefen.

Anfang dieses Jahres verordnete der Vorstand deshalb einen weiteren Schwenk.