Es ist eine wahre Lust, in einer Entertainment-Gesellschaft, die nicht weiß, wohin sie treibt, sich in die Wiegenzeit der Demokratie zu verlieren.

Mit einem verständlichen Autor wie Michael Krausnick, der bereits durch sein Georg-Herwegh-Buch "Die Eiserne Lerche" (1991) Anerkennung fand.

Johann Georg August Wirth ist nur noch den Kennern des Hambacher Festes (1832) geläufig, er gab die dort gehaltenen revolutionären Reden heraus.

Dafür büßte er. An den Haftfolgen starb er vor 150 Jahren, nach jahrzehntelangem Kampf für Recht, Freiheit und Einheit, nach rechtswidrigen Repressionen, nach vier Jahren Zuchthaus, nach Flucht, Emigration, Not. Ein Märtyrer für die Demokratie.

Aufgewachsen war Johann Georg August Wirth in Franken. Die Rechtsunsicherheit des zersplitterten Deutschlands lernte er gründlich kennen. Als Anwalt in Bayreuth hatte er sich mit 52 verschiedenen Rechtssystemen herumzuärgern. Und immer wieder mit Bayern, das seine liberale Verfassung von 1818 mit Füßen trat.

Dazu kam, geboren im Haß auf Napoleon, das Mißtrauen gegen Frankreich. Und doch hätte ohne Frankreich nichts angefangen, auch bei Wirth nicht.

Nach der Julirevolution von 1830 stürzt er sich in München in die bayerischen Verfassungskämpfe. Nach mehrmaliger Beugehaft, die die Unterwerfung unter die Zensur erzwingen soll, rücken die Landtagsabgeordneten von ihm ab. Der Gezeichnete riecht streng: nach Knast. Nur die Pfälzer Abgeordneten bewahren Courage, aber die wohnen jenseits des Rheins, unter dem Schutz französischer Gesetze.