Wer heute die ehemalige innerdeutsche Grenze überquert, wird nur noch wenige Zeichen der Teilung entdecken. Viel Gras ist inzwischen über die Schreckenslandschaft gewachsen, die mit Minenfeldern, Stacheldraht und rabiatem Wächterregime Deutsche von Deutschen trennte. Die einst so bedrohliche Demarkation ist zum historischen Schemen geworden.

Darüber freuen sich alle, die die Vergangenheit hinter sich lassen wollen. Wo Ost und West nur mühsam zusammenwachsen, sollten die Symbole des Trennenden von ehedem nicht zu auffällig im Wege stehen. Also weg jetzt auch mit den letzten Wachtürmen und Grenzbollwerken?

Dagegen hat sich der Bundespräsident zu Recht ausgesprochen. Zumindest einige wenige Marksteine der tödlichen Trennungslinie sollten (auch mit finanzieller Hilfe des Bundes) erhalten bleiben. Das schulden wir nicht nur ihren Opfern.

Die Erinnerung an Restbestände der DDR-"Friedensgrenze" kann auch bei der Bewältigung von Gegenwartsproblemen helfen. In Marienborn etwa wird niemand mehr gedemütigt oder gefilzt aber die Gebäude der ehemaligen Grenzabfertigung bleiben steingewordene Symbole für Willkür und Brutalität.

Wer sie sieht, den sollte manche Mühsal des Einigungsprozesses weniger schmerzen.