In der Tat, Rom zieht "steife Streben" ein. Das Verhalten der Kurie weckt die Frage, wie ein ökumenischer Dialog noch möglich ist. Offensichtlich will Rom die bestehenden Verhältnisse zementieren oder einen aktiven Rollback zu den autoritären und totalitären Strukturen des 16. Jahrhunderts betreiben.

Die lutherischen Kirchen müssen sich fragen lassen, ob mit dieser Institution ein ökumenischer Dialog, von einer wie auch immer gearteten Einheit der Kirche ganz zu schweigen, wünschenswert und möglich ist. Es wäre wohl eher ein Moratorium an der Zeit. Dagegen sollte deutlicher in den theologischen Streitfragen Position bezogen werden, etwa im Sinne einer erneuten Kontroverstheologie. Mit römischen Theologen läßt sich immerhin trefflich streiten, auch ohne Konsens erzielen zu müssen.

Auf der Ebene des gelebten Glaubens und der Praxis in den Gemeinden aber sollten die lutherischen Kirchen ihre vornehme Zurückhaltung ablegen. Von lutherischer Seite aus steht die Einladung zum gemeinsamen Abendmahl. Dies sollte offensiver vertreten werden. In ethischen Fragen werden in der katholischen Bewegung "Kirche von unten" Anliegen formuliert, die auch im konfessionellen Sinn als evangelisch bezeichnet werden können. Hier kann Ökumene fruchtbarer als mit Rom praktiziert und entwickelt werden. Die Lutheraner sollten sich die Agenda ökumenischer Praxis nicht weiter von Rom diktieren lassen, sondern selbstbewußter und streitbarer auftreten.

Vielleicht würden sie gerade darin der Einheit der Kirche und auch der Veränderung der römisch-katholischen Kirche einen Dienst erweisen.

Pfarrer Karl F. Grimmer Neuendettelsau