Sie klingt nach Amtsschimmel und Bürokratie und schadet Deutschlands Urlaubsorten womöglich mehr, als sie ihnen unter dem Strich einbringt: Kurtaxe muß fast jeder entrichten, der zwischen Sylt und Sonthofen ein Ferienquartier bezieht. Die Kommunalsteuer schwankt zwischen einer und zehn Mark pro Tag. Damit werden Kurhäuser, die Pflege von Parks und Stränden, Rettungsschwimmer und Kurorchester finanziert.

Wie unpopulär die Abgabe ist, zeigt eine Erhebung des Nordseebads Norderney: Dort hinterzogen 1996 zwischen dreißig und fünfzig Prozent der Urlauber die Kurtaxe - unter tätiger Mithilfe ihrer Zimmerwirte. Schlimmer als die Nichtzahler sind für Deutschlands Tourismusbranche jedoch die "Nichtfahrer".

Lästige Nebenkosten, die für eine dreiköpfige Familie pro Woche mit mehr als 100 Mark zu Buche schlagen, erleichtern die Entscheidung für den kurtaxfreien Auslandsurlaub.

Darum ist es kein Zufall, daß ausgerechnet Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis kürzlich ihr Mißfallen am jetzigen Abgabesystem äußerte. Das Bundesland zwischen Nord- und Ostsee lebt wie kein anderes vom Tourismus, ist aber seit Jahren nicht einmal mehr in der Hauptsaison ausgebucht. Sechzig Millionen Mark kassieren die Urlaubsorte pro Saison bei ihren Gästen ab.

"Diese bequeme Einnahme dämpft die Kreativität", kritisiert der Tourismusexperte der Flensburger Industrie- und Handelskammer, Dirk Nicolaisen. Die IHK Flensburg setzt sich mit anderen Kammern an der Küste für die Abschaffung der Kurtaxe ein. "Wir wollen wegkommen von der direkten Belastung und Belästigung der Gäste", sagt auch Ralf Kube. Der Chef des Tourismusverbandes im nördlichsten Bundesland prognostiziert, daß es die antiquierte Abgabe in ihrer jetzigen Form schon bald nicht mehr geben wird.

Die betroffenen Gemeinden, die ohnehin unter starken Rückgängen im Kurbereich leiden, sehen das allerdings anders. Ihnen gilt inzwischen Norderney als Vorbild. Niedersachsens größter Urlaubsort mit 300 000 Gästen im Jahr hat die Kurtaxe allerdings nicht abgeschafft, sondern perfektioniert. Jeder, der am Festland auf die Inselfähre geht, erhält seit einem Jahr eine Plastikkarte, die seine Aufenthaltsdauer registriert und zugleich eine Reihe von Ermäßigungen gewährt. Die Heimreise können Norderney-Urlauber erst dann antreten, wenn sie am Hafen die Rechnung - fünf Mark pro Tag und Person - beglichen haben.

Mit der "Norderney Card" stiegen die Einnahmen um vierzig Prozent und ermöglichten die Einführung einer kostenlosen Buslinie und des freien Eintritts ins Freibad. Im kommenden Jahr soll die Karte weiter aufgewertet werden. Marketingchef Herbert Visser will "den Gästen zum Preis von fünf Mark einen Vorteil von zehn bis fünfzehn Mark verschaffen". Die Urlauber sollen sich nicht über die Ausgabe ärgern, sondern sich über den Nutzen freuen. "Es ist doch Schwachsinn", sagt Visser, "die Kurtaxe abzuschaffen und die Touristen hinterher für alles einzeln zahlen zu lassen."