Die Differenzen zwischen dem Programm von Gerhard Schröder und den Vorstellungen der Grünen seien zu groß, die Grünen seien überfordert, schreibt die ZEIT. Doch wie lautet eigentlich Gerhard Schröders Programm? Es heißt vor allem: Schröder. Außer seinen Wirtschaftsthesen, gewürzt mit ein paar sozialen Forderungen, hat man von ihm bisher nicht viel Programmatisches gehört. Außenpolitik? Gesellschaftspolitik? Bürgerrechte? Globale Umweltprobleme? Viele Fragen, aber keine Antworten vom vermutlich nächsten Regierungschef der drittgrößten Industrienation.

Viel interessanter ist es deshalb, einmal nach den Differenzen zwischen Schröder und seiner eigenen Partei zu fragen. Und man darf der SPD unterstellen, daß sie für mehr als das photogene Lächeln des Gerhard Schröder steht. Es ist der gemeinsame Machtwille, der so manchen Gegner Schröderscher Vorstellungen verstummen läßt. Oskar Lafontaine wird als Minister nicht zu einem Schröder II mutieren. Auf die kommenden Konflikte darf man gespannt sein.

Jens Marxen, Mannheim

Eine suggestive Überschrift, wird das die Redaktionspolitik für die Wahlkampfzeit? Darunter heißt es: "Schröder braucht einen stärkeren Partner."

Wer das sein könnte, verschweigt der Autor. Ohne die Grünen wird es eine sozialökologische Erneuerung nicht geben. Die Grünen haben als bisher einzige Partei einen durchgerechneten sozialen und ökologischen Steuerreformvorschlag vorgelegt, der zugleich den Steuerdschungel lichtet. Sie allein garantieren einen menschenwürdigen Umgang mit unseren ausländischen Mitbürgern. Und sie allein stehen für einen wirtschaftlichen Fortschritt, der sich nicht über die dringendsten Umweltprobleme hinwegsetzt.

Burkhart Braunbehrens Ebertsheim

Sicher, Schröder und seine Mannen stehen nicht für ein politisches Projekt "Rot-Grün". Und das Verhalten der Grünen in den letzten Wochen empfahl sie nicht gerade als Regierungspartei. Doch müssen wir deshalb von Rot-Grün Abschied nehmen? Nein. Im Gegenteil: Die Zeit ist reif für ein sozialökologisches Reformprojekt. Eine konsequente ökologische Steuerreform, die Arbeitsplätze schafft und die Umwelt entlastet, muß der Anfang sein.