Entweder ist der Mann mit allen Wassern gewaschen - oder er hat einfach nichts zu verbergen: Jost Stollmann, erfolgreicher Unternehmer und von SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder auserkorener Schattenminister. Gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt, verbreitet er nun sogar unbequeme Presseberichte - über sich selbst.

Bislang ist Stollmann vor allem aufgefallen, weil er mit seinen Ansichten nicht nur Sozialdemokraten und Gewerkschafter irritiert. Dem einen oder anderen in der Koalition ist er auch nicht geheuer. Schließlich streut er Sand ins Bonner Politgetriebe. Schon deshalb war es nur eine Frage der Zeit, wann die ersten Querschüsse abgegeben würden. Zu Wochenbeginn war es soweit.

Laut Focus soll Stollmann während seiner Zeit als Chef der Firma CompuNet für scheinbar dubiose Praktiken im Zusammenhang mit der Kölner Agrippina-Versicherung verantwortlich gewesen sein. Der Artikel war freilich nicht nur in dem Münchner Magazin zu lesen, sondern auch im Internet - und zwar auf Stollmanns eigener Homepage. Die neue Offenheit überrascht. Das allerdings trifft auf den Focus-Bericht nicht so ganz zu. Zwar hat jemand dem Blatt einige Details der Auseinandersetzung gesteckt, die geschickt präsentiert wurden. Doch der Fall war längst bekannt. Schon 1996 hatte CompuNet wegen eines komplizierten Rechtsstreits mit einer Versicherungsgesellschaft Rückstellungen gebildet. Nach einem Vergleich der beiden Unternehmen galt die Sache als abgeschlossen. Hans-Dieter Koch, damals Finanzchef, heute Vorstandssprecher bei CompuNet: "Stollmann heute mit einer solchen Geschichte an den Karren zu fahren finde ich äußerst unfair."

Stollmann selbst kommentiert: "böswilliger Wahlkampf". Außerdem sagt er im Internet zu, sich "mit jedem, der namentlich etwas zu sagen hat, offen und fair auseinanderzusetzen".

Paradebeispiel Der Bundesrechnungshof (BRH) läßt Verteidigungsminister Volker Rühe keine Ruhe. So erinnert er jetzt an eine vom Parlament gesetzte Frist, die Rühe verstreichen ließ. Die Abgeordneten wollten bis zum 30. Juni wissen, wie ernst die Hardthöhe das Gebot der Wirtschaftlichkeit bei künftigen Privatisierungen nimmt. Anlaß war ein Prüfbericht über den Verkauf der bundeseigenen Firma MDSG, die Waffen der Nationalen Volksarmee lagert und verwertet. Dafür daß der Käufer, die Buck Inpar GmbH, das MDSG-Material und seine Verwertung übernahm, bekam er 122 Millionen Mark - zum Ausgleich für zu erwartende Verluste. Der BRH fand 1996 heraus: "Dies hat zu einer Haushaltsmehrbelastung von mindestens 35 Millionen Mark geführt." Klingt zunächst wie ein Skandal. Heuer sieht die Sache jedoch anders aus.

MDSG-Geschäftsführer Jürgen Kieschoweit zieht jedenfalls eine positive Bilanz: Gegenüber der Planung vor der Privatisierung seien 200 Millionen Mark eingespart worden. Pech für Rühe, daß er diese Erfolgsbilanz nicht genutzt hat, nun auch mal dem Hof in die Parade zu fahren.