Wenn Fereshta Ludin ihre Einstellung in den Schuldienst vor Gericht durchsetzen will, hat sie wenig Aussicht auf Erfolg. Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und das Recht, nach seiner religiösen Überzeugung zu leben, zu handeln und sich zu kleiden, gelten nicht schrankenlos. Sie finden ihre Grenze im Beamtenverhältnis, das Lehramtsanwärter schließlich freiwillig eingehen, im Neutralitätsgebot staatlicher Schulen, im Elternrecht und in der Religionsfreiheit Dritter.

Bereits Mitte der achtziger Jahre klagten ein bayerischer und ein Hamburger Lehrer, beide Anhänger der Bewegung des indischen Bhagwan Shree Rajneesh, gegen ein Verbot, während des Unterrichts die bhagwantypische rote Kleidung zu tragen. Vergeblich, die Gerichte, einschließlich des Bundesverwaltungsgerichts, hielten das Verdikt der Schulbehörde für rechtens.

Die Begründung: Gerade in einer bekenntnisfreien staatlichen Schule dürften Lehrer im Unterricht ihre persönliche Weltanschauung nicht demonstrieren. Zum einen, weil die Schüler wegen der allgemeinen Schulpflicht dieser Demonstration nicht entrinnen könnten. Zum anderen, weil die Erziehung der Kinder Elternrecht sei

dessen Einschränkung durch die Schulpflicht könne nur hingenommen werden, wenn Lehrer sich in politischen und religiösen Fragen neutral und objektiv verhielten.

Nun wollen zwar weder die rotgewandeten Anhänger des Bhagwan noch die Kopftuchträgerin Fereshta Ludin in der Schule missionieren. Entscheidend sei aber die Außenwirkung der Kleidung, argumentierten die Richter damals. Das gelte besonders, wenn das Symbolische der Tracht und die ihr zugrundeliegenden Anschauungen in der Gesellschaft umstritten seien. Das war seinerzeit der Fall bei den Jüngern des Bhagwan

dies gilt unter anderen Vorzeichen heute auch für das islamische Kopftuch.