Herr K. hatte sich bei der Unterschrift unter den Kreditvertrag seines Bekannten S. nicht viel gedacht. Reine Formalität, hieß es in der Bank, in der S. ein Darlehen beantragt hatte.

Derartige Freundschaftsdienste können teuer zu stehen kommen. Denn ein Bürge übernimmt die volle Haftung für die Kreditwürdigkeit des Hauptschuldners.

Kann dieser nicht zahlen, wird der Bürge zur Kasse gebeten.

Trotz dieser großen Gefahr gehört die Bürgschaft zu den gängigsten Kreditsicherheiten. Bis zu 100 000mal pro Jahr werde in Deutschland eine Bürgschaft unterschrieben, schätzt das Bundesjustizministerium. Vor allem bei Ratenkrediten zu Konsumzwecken, aber auch bei Existenzgründungen oder Geschäftsdarlehen verlangen Banken fast immer eine Bürgschaft. Und wer als Student eine Wohnung mieten will, wird meistens auch nach einer Bürgschaft der Eltern gefragt. Bei Ehepaaren ist es häufig die Frau, die für ihren Mann bürgen soll.

Obwohl diese Bürgen teilweise gar kein eigenes Einkommen hatten, machten die Gerichte bis Anfang der neunziger Jahre keine Ausnahmen: Auch Verwandte und Freunde mußten zahlen, selbst wenn sie bloß aus Gefälligkeit die Haftung für schwer überschaubare Millionenkredite übernommen hatten. Als Konsequenz stottern viele ihr Leben lang einen fremden Kredit ab.

Verträge gelten auch, wenn die eine Seite nicht zahlen kann und dies alle wissen, rechtfertigte die Ziviljustiz ihre Urteile. Eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Jahre 1993 (Az. 1 BvR 567/89) stellte dann klar: Dieser Grundsatz hat seine Grenzen. In dem umstrittenen Fall hatte eine geschäftlich unerfahrene Frau für den Millionenkredit ihres Vaters gebürgt.

Sittenwidrig, urteilten die Verfassungsrichter und befreiten die Tochter aus der Haftung für die Geschäftsschulden des Vaters. Seitdem erklären auch die Zivilgerichte immer mehr Bürgschaften für unwirksam.