Ist die Wahl von Dietrich Hoppenstedt zum nächsten Sparkassenpräsidenten ein Indiz dafür, daß der nächste Bundeskanzler wieder Helmut Kohl heißt?

Immerhin haben sich die 27 Mitglieder des Gremiums, das den Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) zu küren hatte, für einen CDU-Mann aus Hannover entschieden. Daß der Gegenkandidat Gustav Adolf Schröder, ein SPD-Mann, den kürzeren zog, sollte seinem Namensvetter und Parteigenossen Gerhard zu denken geben.

Im Ernst: Mag es in der Schalterhalle einer Sparkasse in erster Linie "um Geld" gehen, wie ein Werbeslogan verkündet - hinter den Tresen der öffentlich-rechtlichen Institutsgruppe spielt die (Partei-)Politik eine Schlüsselrolle. Politiker sitzen nicht nur in den Verwaltungsräten von Sparkassen und Landesbanken sowie in den zahlreichen Verbänden der Organisation. Mehr als jemals zuvor hängt von ihren Entscheidungen auch die weitere Existenz der mit 375 000 Beschäftigten und einem Marktanteil von rund vierzig Prozent größten kreditwirtschaftlichen Gruppe der Bundesrepublik ab.

So viel Politik war noch nie: Allenthalben zwischen Brüssel und Dresden wird an den Grundfesten der Organisation gerüttelt. EU-Wettbewerbskommissar Karel Van Miert sieht die Landesbanken als Nutznießer ungerechtfertigter staatlicher Subventionen und scheint diese Geldhäuser am liebsten privatisieren zu wollen. Der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf möchte die bislang selbständigen Sparkassen unter das Dach der dortigen Landesbank bringen

in Baden-Württemberg soll eine neu formierte Landesbank demnächst den Sparkassen Konkurrenz machen dürfen. Und in Rheinland-Pfalz wird ein Gesetzentwurf diskutiert, der die Sparkassen verpflichten soll, Gewinne an die Kommunen auszuschütten.

Es geht also um Macht und Geld. Die einen wollen aus den Sparkassen mehr Kapital schlagen, um die leeren öffentlichen Kassen zu füllen, sei es über Dividendenzahlungen oder notfalls sogar über Privatisierungen. Andere lassen sich von regionalen Interessen leiten: So möchte Stuttgart endlich im Ländle eine Großbank etabliert sehen. Die privaten Banken schließlich mischen auch noch kräftig mit, indem sie die Politik gegen die unliebsame öffentlich-rechtliche Konkurrenz einzuspannen versuchen.

Derartigen Angriffen hat die Organisation wenig entgegenzusetzen. Es fehlt ihr an einem überzeugenden Konzept, zumal sie in mindestens zwei Lager gespalten ist: Die Traditionalisten möchten die herkömmliche Struktur ins nächste Jahrtausend retten. Die Reformisten sehen Änderungsbedarf, bewegen sich aber wegen der möglichen einschneidenden Konsequenzen auf einem gefährlichen Grat.