Ein knackiger Adonis ist Helmut Fritsche mit seinen sechzig Jahren natürlich nicht mehr. Aber das hinderte den umtriebigen Unternehmer nicht, sich für die Fernsehkameras nur mit einer Armbanduhr bekleidet in die gefüllte Badewanne zu legen. Keine Angst, er ruhte dabei in einem undurchsichtigen dunklen Gebräu, das er selbst produziert: dem Original Neuzeller Badebier. Der Witz dabei ist, daß die ebenso wohlriechende wie wohltemperierte Wannenfüllung als kosmetisches Mittel zur äußeren Anwendung Schwarzbier heißen darf, das nahezu identische, zum Trinken bestimmte (und natürlich gekühlte) Produkt aber nur unter der Bezeichnung Schwarzes Elixier verkauft werden darf.

Ein schlechter Witz? Eine "Brandenburger Amtsposse", sagt Fritsche - und genau so hat er auch wiederholt die Flaschen mit dem Bier etikettiert, das er nicht Bier nennen darf. Beim Schwarzbier handelt es sich um eine untergärige Spezialität, die in Ostdeutschland eine lange Tradition hat. Anders aber als bei Konkurrenzmarken wie Märkischer Landmann, Original Köstritzer oder Lausitzer Dunkel gibt man in der Klosterbrauerei Neuzelle ("... himmlisch gut seit 1589") nach der Gärung einen Schuß Zuckersirup ins Produkt. Gesüßtes Bier - das gibt es nicht nach dem deutschen Reinheitsgebot (nur Wasser, Hopfen und Malz dürfen rein), folglich darf es auch nicht als Schwarzbier oder Malzbier verkauft werden.

Seit fünf Jahren streitet der listige Fritsche nun schon mit den Behörden.

Sie könnten (wie das ausgerechnet in Bayern beim Bamberger Rauchbier geschehen ist) eine Ausnahmegenehmigung vom Biergesetz erteilen. Aber das Land Brandenburg will nicht, und die Klage des Brauers vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt/Oder blieb ohne Erfolg. Bisher einzige Konzession des Landwirtschaftsministers: Das Schwarzbier darf unter der Bezeichnung Schwarzer Abt vertrieben werden, aber auch nur unter der Bedingung, daß auf dem Etikett das Wort "Kloster-Bräu" durch "Klosterbrauerei" ersetzt wird, weil letzteres angeblich nicht eindeutig auf Bier hinweist. Fritsche läßt nicht locker und ist um Argumente nicht verlegen.

Vor Jahren entschied der Europäische Gerichtshof, daß die Deutschen zwar mit dem Reinheitsgebot von 1516 Normen für deutsches Bier setzen dürfen, daß sie aber ausländisches Bier, das nicht diesen Normen entspricht, auf den deutschen Markt lassen müssen. Seitdem gibt es Bier aus aller Welt zu kaufen, vom dünnen Gerstensaft aus den Vereinigten Staaten (der eigentlich Mais- oder Reissaft heißen müßte) bis zum modischen Corona-Bier aus Mexiko. Wenn sich jeder importierte Exote Bier nennen darf, warum dann nicht auch das Neuzeller Schwarzbier?

Eines stört den Brauer Helmut Fritsche an dieser "umgekehrten Diskriminierung" ganz besonders: Er zahlt im Jahr bei einem Umsatz von 8 Millionen Mark 600 000 Mark Biersteuer an das Land Brandenburg, obwohl er doch nach der Meinung der Landesbehörden gar kein Bier herstellt. So will er die Bierposse durch alle Instanzen treiben, wenn es sein muß bis zum Europäischen Gerichtshof.

Seine Kunden hält er derweil im Internet (http://www.neuzeller-bier.de) auf dem laufenden. Und wer den wackeren Brauer unterstützen und die Bierwohltat am eigenen Leib erfahren will, der kann das in Neuzelle im "ersten kommerziellen Bierbad der Welt" tun.