Tief verwurzelt in der Seele der Schreiber ist der Irrtum, wenn man alles zusammenballe, was man mitzuteilen hat, werde der Leser es schon aufnehmen können. Eben nicht - wenn es auf Seite 35 der vorigen ZEIT über den gesellschaftlichen Wandel heißt, er reiche "von der Herausbildung neuer sozialmoralischer Milieus und der Individualisierung der Lebensstile über den schwindenden Einfluß nationaler Politik auf die binnen- und noch mehr auf die außenwirtschaftlichen Prozesse bis hin zum Spannungsfeld von Integrationsverlangen und jeweiligem kulturellen Eigensinn einer in Teilen multiethnisch gewordenen Gesellschaft". Elf bleischwere Substantive, mit neun Adjektiven behängt, verkettet durch von-über-auf-auf-bis-von-in - und durch kein einziges Verbum in Bewegung versetzt und dem Verständnis aufgeschlossen.

Es sind die Verben, die uns durch die Sätze tragen. Zur Erholung: "Der König sprach's, der Page lief, der Knabe kam, der König rief: Laßt mir herein den Alten!"