Antje Uteg-Scheffer hat es bald geschafft: In einem halben Jahr die Facharztprüfung, dann ist sie Ärztin für innere Medizin. Noch vor fünf Jahren hätte sich die junge Frau das nicht träumen lassen. Damals wurde ihre Assistenzarztstelle im Berliner Krankenhaus Neu-Kölln eingespart - eine wohlklingende Umschreibung des harten Weges in die Arbeitslosigkeit.

Doch ihre Kollegen wollten sie diesen Weg nicht gehen lassen und teilten deshalb ihre Arbeitsplätze: Aus drei Ganztags- wurden vier Dreiviertelstellen, und Uteg-Scheffer konnte bleiben. Als Nebeneffekt des Job-sharings stieg die Zufriedenheit der Mitarbeiter, denn die anstrengende Arbeit im Krankenhaus können sie nun durch mehr Freizeit ausgleichen. Da verschmerzen sie auch das schmalere Gehalt am Ende des Monats.

Deshalb ist Job-sharing oft eine sinnvolle Lösung, und viele Mediziner sind auch dafür zu gewinnen. Von 800 befragten Ärzten in Westfalen-Lippe favorisierten 63 Prozent der Frauen und 18,3 Prozent der Männer eine Teilzeitstelle. Das verwundert nicht. Krankenhausärzte leisten durchschnittlich zehn Überstunden pro Woche; rechnet man die Nachtdienste dazu, arbeiten viele von ihnen 60 bis 80 Stunden pro Woche. In den Praxen sieht es ähnlich aus. Da leiden der Patient, die Familie und der Arzt.

Das halbe Gehalt für ganze Arbeit?

Teilzeitarbeit könnte die Arbeitslosigkeit verringern und viele Ärzte entlasten. Das haben nun endlich auch die Funktionäre gelernt. Der Marburger Bund, Verband der Krankenhausärzte, fordert die Einrichtung von Teilzeitjobs. Die Ärztekammer hat die Weiterbildungsordnung so verändert, daß die Ausbildung zum Facharzt auch auf einer Halbtagsstelle möglich ist. Und der deutsche Ärztetag beschloß, daß ein niedergelassener Arzt einen Partner einstellen kann, solange er seinen bisherigen Leistungsumfang nicht vergrößert. Schließlich wurde im neuen Tarifvertrag Krankenhausärzten, die Kinder oder Pflegebedürftige betreuen, ein Anspruch auf Teilzeitarbeit zugesichert. Lehnt der Arbeitgeber den Antrag ab, muß er gute Gründe nennen.

All das klingt gut, funktioniert aber offenbar noch nicht recht. Bisher jedenfalls arbeiten nur etwa sieben Prozent der Ärzte auf Teilzeitplätzen. Diese seien zu teuer, klagen Chefärzte.

Das stimmt zwar, ist aber nicht die ganze Rechnung. Zwei halbe Stellen kosten nur rund sieben Prozent mehr als eine ganze - und das sei durch die höhere Produktivität der Teilzeitkräfte schnell ausgeglichen, sagt Karl Heinz Ebeling, Verwaltungsdirektor des Universitätskrankenhauses in Hamburg.