Das Leben kann hart sein für Menschen zwischen dreißig und vierzig: Die guten Jobs sind von den Älteren besetzt und die Diskotheken von der Jugend, die zu HipHop und Techno die Nächte durchtanzt. Was tun, wenn man lieber die Doors und Iggy Pop hören möchte? Wenn man die abschätzigen Blicke der nachfolgenden Generation auf Bauch und Geheimratsecken fürchtet?

Als ein gewisser Thomas Falke, 36, aus Dortmund vor drei Jahren mit ein paar mittelalten Freunden in der Kneipe saß und alle wieder einmal nicht wußten, wo sie den weiteren Abend verbringen sollten, da beschlossen sie, eine Anzeige in die Lokalzeitung zu setzen: Man gedenke, einen "Club 30" für "Menschen im zweiten Frühling" zu eröffnen.

Die Tanzwut hat inzwischen die mittleren Jahrgänge des gesamten Ruhrgebiets ergriffen. Ob bei der "Doppelherz"-Fete in Bochum, der "Hard Day's Night" in Witten oder in Dortmund beim "Tanz ab 31" oder im "Thirty 1derland" - überall volles Haus.

Was treibt Erwachsene im vorgerückten Alter in eine Diskothek? Hören wir die Beteiligten: "Weil das 'ne Baggerveranstaltung ist, ganz klar" (Rafael, 34). "Man trifft nette Leute hier" (Brigitte, 43). "Es geht sofort zur Sache. Die Leute wissen, was sie wollen" (Thomas, 36).

Die Chance, Partner im eigenen Alter zu finden, ist nicht die einzige Besonderheit der sogenannten "Ü-30-Partys". Drängt es die Jugend erst um 23 Uhr auf die Tanzfläche, steigt bei den Alten schon um 20 Uhr die Stimmung. Dafür ist pünktlich um Mitternacht Schluß. So muß morgens niemand unausgeschlafen zur Arbeit.

Das Musikprogramm sieht Techno nicht vor. "Die Leute wollen hören, was sie schon kennen", sagt DJ Thomas, nämlich Doors, Stones, Who und Jimi Hendrix.

Aber das dürfte sich bald ändern: Zehn Jahre nach der ersten Love Parade ist ja auch die Techno-Generation in die mittleren Jahre gekommen. Nicht mehr lange, und es könnten ergraute Raver unter Ecstasy-Einfluß durch die Innenstädte ziehen, während barbusige Mütter auf Plateausohlen im Techno-Takt die Kinderwagen wippen lassen.