Zu einer interessanten Einsicht gelangten neulich vier Geschäftsleute im Aufzug eines großen Hotels am Frankfurter Flughafen: Es stellte sich heraus, daß jeder von ihnen einen anderen Übernachtungspreis für sein Zimmer zahlte. Die offizielle Rate hingegen, die dort wie in den meisten Herbergen an der Zimmertür oder an der Schrankwand veröffentlicht wird, mußte keiner von ihnen hinblättern.

Die Differenz ist meistens keine Folge des eigenen Verhandlungsgeschicks, sondern Ausdruck der Krise in der Übernachtungsbranche. Der offizielle Zimmerpreis, die sogenannte rack rate, ist heute nur noch eine theoretische Größe. Kaum jemand bezahlt wirklich diesen Preis, von Messegästen einmal abgesehen.

Von der Krise profitiert der Gast, die Hotels locken mit niedrigen Preisen. Und schon lange hat ein mehrstufiges Tarifsystem die offizielle Zimmerrate abgelöst. Grundsätzlich gilt: Firmenkunden schlafen zum Firmenpreis. Unternehmen und Hotel vereinbaren die sogenannte corporate rate. Sie liegt meist um 25 Prozent unter dem Schrank-Preis.

Großkunden mit hohem Reisevolumen geben sich mit derlei Rabatten nicht zufrieden. Sie erhalten von den Hotelketten bis zu 40 Prozent billigere Sondertarife. Die Großabnehmer werden außerdem mit mehr Service verwöhnt. Siemens-Mitarbeiter beispielsweise erhalten in den Häusern der Sheraton-Arabella-Gruppe immer das beste freie Zimmer.

Manch listiger Geschäftsreisender ohne Firmenanbindung versucht trickreich an solche Rabatte zu gelangen. Eine beliebte Übung ist es, sich am Hoteltresen als Mitarbeiter eines großen ortsansässigen Unternehmens auszugeben. Auch die Vorstellung als Angestellter eines Großkonzerns ebnet gelegentlich den Weg zu einer preiswerten Übernachtung. Der Schmu am Empfang wird aber schwieriger: Immer mehr Hotelketten fragen nach einem Buchungscode oder einem Mitarbeiterausweis.

Doch auch Einzelreisende bekommen heute schon in Reisebüros und bei Hotelbuchungssystemen Rabatte von bis zu 35 Prozent. Das große Einkaufsvolumen dieser Bettenverkäufer ermöglicht die günstigen Preise.

Sommerpreise bieten viel Bett für wenig Geld