Per Internet kann man sich aus den USA fossilen Tierkot bestellen: die versteinerten Häufchen gibt es schon ab 8 Dollar das Stück, für besonders große Exemplare - ideal fürs Wohnzimmer - muß man allerdings bis zu 625 Dollar hinlegen. Der Fossilienversand Treasures of the Earth (Schätze der Erde), der die graubraunen Brocken aus der Wüste von Utah graben läßt, floriert seit 1993. In jenem Jahr löste der Film "Jurassic Park" eine Dinosaurier-Manie aus.

Koprolithe (griechisch Kotsteine) sind also keineswegs selten. Doch nur wenige stammen wirklich von den seit 63 Millionen Jahren ausgestorbenen Großechsen. Kürzlich wurde im Süden Kanadas der mit sieben Kilo bisher größte Koprolith eines fleischfressenden Dinosauriers gefunden. Wahrscheinlich stammt er von einem Tyrannosaurus Rex. Der Dino-Dung war von Hunderten kleiner Knochenstücke durchsetzt. Aus ihnen läßt sich noch ablesen, daß die Mahlzeit aus einem jugendlichen, vegetarisch lebenden Saurier bestanden haben muß.

Forschern um den Münchner Paläobiologen Svante Pääbo ist es jetzt erstmals gelungen, genetisches Material aus fossilem Kot zu isolieren und daraus direkt auf das Tier zu schließen, das den Haufen einst hat fallen lassen. Testobjekt war ein etwa 20000 Jahre alter Koprolith aus einer Höhle unweit von Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada.

Frischer Kot enthält immer Zellen aus der Darmwand des Tieres und damit auch DNA, jene langen Molekülketten, in denen die Erbinformation des Tieres gespeichert ist. Doch DNA ist eine fragile Substanz. Auch unter idealen Bedingungen - etwa bei Mumien - zersetzt sie sich nach dem Absterben der Zellen, wobei sie in kurze Stücke zerbricht.

Gentests an winzigen Geweberesten wurden erst 1985 möglich. Damals entdeckte der Amerikaner Kary Mullis die Polymerase-Kettenreaktion (PCR), mit der sich einzelne kleine DNA-Bruchstücke schnell und billig zu nachweisbaren Mengen vervielfältigen lassen; 1993 erhielt er dafür den Nobelpreis.

Doch bei versteinertem Stuhl versagte die PCR-Methode bislang, da dort bestimmte chemische Prozesse ablaufen (ähnlich wie beim Brotbacken), die DNA-Stücke miteinander vernetzen. Pääbos Gruppe fand nun einen Weg, diese Vernetzungen aufzubrechen, um dann mittels PCR an die genetischen Informationen zu gelangen: Ein Vergleich mit DNA-Stücken aus fossilen Skelettresten ergab schließlich, daß der Haufen aus Nevada vom Vertreter einer seit 11000 Jahren ausgestorbenen Art von Riesenfaultieren stammen muß.

Natürlich enthielt der Faultierfladen auch die DNA der Pflanzen, von denen sich das bärengroße, mit mächtigen Klauen bewehrte Urvieh ernährte: Mindestens acht verschiedene Pflanzenfamilien, darunter Gräser, Senfgewächse und Malven, standen auf seinem Speiseplan - eine Vegetation, die sich im Südwesten der USA heute nur noch in höheren Lagen findet. Vermutlich war es damals dort feuchter und kühler als heute.