Um beim Fernsehen etwas zu werden, reicht es nicht, Format zu haben. Man braucht auch ein Format. "Ein paar Leute wissen den Beruf eines Gastes nicht" ist die Idee des bis heute langlebigsten im deutschen Fernsehen. Dabei stammt es aus dem britischen Radio: "Was bin ich?" Ein Mann von Format, ohne Zweifel, war Robert Lembke auch ohne dieses spezielle.

Thomas Gottschalk wäre neben Lembke in den Mount Rushmore der deutschen Fernsehunterhaltung einzumeißeln. Natürlich Frankenfeld, Rosenthal, Kulenkampff, Carell, Elstner, als Neuzugang Schmidt. "Kuli" begann seine Sendung damit, ein in keinem Ablauf vorgesehenes Viertelstündchen über egal was zu schwadronieren - und glänzte in der Kunst, es zufällig, beiläufig anmuten zu lassen. Dann kamen Spielchen und Gäste, die sich wesentlich dadurch auszeichneten, dem Meister beim Scherzen nicht weiter hinderlich zu sein. Wehe, wenn nicht! Darin ähnelt Schmidt Kulenkampff. Eine Best-of-"Einer-wird-gewinnen"-Show wäre eine gute halbe Stunde Conférence nebst bezaubernder Assistentin gewesen. "Kind, was hast du heute wieder Schönes an!" onkelte Kuli; "Mensch, was hast du alles nicht an!" enkelt Schmidt, und "Conférence" heißt heute "Stand up".

Zur Ausstattung der "Late Night Show" gehörte bis Koschwitz der spiegelverchromte Blinddarm der großen TV-Unterhaltung: ein protziges, nostalgisches Mikrophon. Erst bei Schmidt hatte sich das Erbgut der Hörfunkahnen ausgemendelt. Amerikas führender Nachtgesprächsleiter Jay Leno hat den kleinen, verkabelten Dino noch heute auf dem Pult stehen, trotz fingernagelkleiner Ansteckmikros. Ein Kultgegenstand offenbar. An irgendwas muß man glauben, am besten also: ans Original

"Heutzutage hat doch jede Kabelhilfe 'n Format in der Tasche!" stöhnt ein Produktionsleiter, dem gerade wieder glänzenden Auges eine definitive Showidee unterbreitet wurde. Ähnlich muß es geklungen haben, als sich der Hochadel über den revolutionären Verlust seines Jagdprivilegs grämte: "Nun darf der Pöbel Karnickel schießen!" Schwieriger als schießen ist treffen.

Es gibt Rateshows, bei denen der Zuschauer mehr weiß als die Kandidaten. Und andere, bei denen er weniger weiß. Daneben Geschicklichkeitsshows, von Schmierseife bis Gabelstapler-auf-einem-Schuhlöffel-Balancieren. Und unendlich viele Schattierungen, Abstufungen, Mischungen dieser Grundingredienzen. Warum das eine klappt, das andere scheitert, ist klar. Hinterher. Vorher muß man, so die Branchenregel, an sein Format glauben. Der einzige Trick, der sich erahnen läßt, erinnert an die Kunst des guten Schneiders: Der Anzug muß so passen, daß man meint, sein Träger sähe ohne ihn höchstens noch besser aus. Als hätte er Format.