Bislang mutet das Vorhaben noch abenteuerlich an: Dokumente samt Unterschrift sollen demnächst in Form von Bits und Bytes auf die Datenreise gehen - und rechtsverbindlich sein. Und das, obwohl Hacker fast tagtäglich vorführen, daß Mißbrauch und Manipulation fast keine Grenzen gesetzt sind. Doch ein Gesetz soll das bislang Unmögliche praktikabel machen - das Signaturgesetz. Ziemlich ungewöhnlich: Deutschland preschte bereits im vergangenen Jahr vor, ohne auf eine europa- oder gar weltweite Lösung zu warten. Es entstand ein komplexes Regelwerk, das die organisatorischen undtechnischen Voraussetzungen für ein elektronisches Signaturverfahren schafft.

Grundlage ist eine Verschlüsselung, die zum einen den Inhalt von Dokumenten sichert, zum anderen die elektronische Unterschrift erzeugt und zugleich garantiert, daß beides auch tatsächlich zusammengehört. Um das alles wirklich sicher zu managen, wird es sogenannte Zertifizierungsstellen geben, auch Trust-Center genannt. Sie übernehmen sozusagen die Rolle eines Notars, der sicherstellt, daß es im Netz verläßlich und mit rechten Dingen zugeht.

Einen ganz anderen Weg will die Europäische Kommission einschlagen. Sie ist davon überzeugt, daß die Entwicklung weitgehend allein dem Markt überlassen werden sollte. Dafür soll es für die Trust-Center eine strikte Haftungsregelung geben - ein gutes Geschäft für Versicherungen und ein Beschäftigungsprogramm für Juristen, fürchten Experten. Professor Alexander Roßnagel von der Gesamthochschule Kassel hält das deutsche Modell für fortschrittlicher: "Über das, was man vorher regelt, braucht man nachher nicht zu streiten." Er glaubt, daß der EU-Ansatz nicht dazu taugt, das Vertrauen in den elektronischen Handel zu stärken.