Bloß kein Aufruhr an der Ruhr! Diesem Imperativ gehorchte die EU-Kommission Mitte der Woche gleich zweimal und gab dem Druck der deutschen Kohlelobby nach. Zunächst billigte der ansonsten so streitbare EU-Wettbewerbshüter Karel Van Miert die Fusion der Gruben an Ruhr und Saar zur Deutschen Steinkohle AG.

Dann drückte auch noch sein griechischer Kollege Christos Papoutsis, der für Energiefragen zuständige EU-Kommissar, ein Auge zu: Zwar müssen zwei deutsche Zechen über 20 Millionen Mark illegaler Subventionen in die Bonner Steuerkasse zurückzahlen - aber damit sind sie glimpflich davongekommen.

Britische Konkurrenten hatten vorgerechnet, die nordrhein-westfälischen Pütts müßten eigentlich 177 Millionen Mark erstatten. Dann jedoch wären bei der Preussag Anthrazit GmbH die Grubenlampen erloschen - und 3000 Kumpel hätten, gerüstet mit Soliaritätsadressen aller Bonner Wahlkämpfer, den Marsch gen Brüssel angetreten.

So bleibt's ruhig, vorerst jedenfalls. Die Rückzahlung von 20 Millionen Mark Beihilfe belegt, daß gemogelt wurde. Wenn demnächst wieder teure deutsche Kohle irgendwo billig in der EU verscherbelt wird, droht der nächste Protest der Konkurrenz. Ein Ende des Ärgers winkt erst, wenn Bonn sich und Europa sämtliche Subventionen erspart.