Krefeld

Als Emine Bahci 1989 in die Bundesrepublik kam, war sie sieben Jahre alt.

Jetzt ist sie sechzehn, und in zwei Wochen muß sie das Land verlassen, zusammen mit ihrem Vater und fünf ihrer sechs Geschwister. Ihre Mutter und die jüngste Schwester, die siebenjährige Gurbet, dürfen hierbleiben, denn das Kind ist schwerstens behindert. Nicht "reisefähig" lautet die Begründung.

Eine Familie wird also auseinandergerissen, zurück bleibt die Mutter, Analphabetin und des Deutschen nicht mächtig, mit einem pflegebedürftigen Kind. Das ist alles rechtens, aber ist es auch richtig?

Emine spricht fließend Deutsch, Krefeld, sagt sie, ist meine Heimatstadt.

Türkisch beherrscht sie nicht, nur etwas Arabisch.

Als die Eltern, arabischstämmige Kurden aus dem türkischen Städtchen Mardin nahe der syrischen Grenze, in die Bundesrepublik einreisten, gaben sie sich als Libanesen ohne Paß aus. Sie glaubten, dadurch eher Asyl zu bekommen.