Nicht nur vernunftbegabte Menschen suchen nach Konflikten den Frieden. Auch Ziegen verfügen über Rituale zur Konfliktbereinigung, wie die römische Zoologin Gabriele Schino zeigen konnte (Behaviour, Bd. 135, S. 343). Die Forscherin ließ weiblichen Kaschmirziegen paarweise knapp hundertmal auf engem Raum eine verlockende Haferspeise servieren. Die Tiere waren sexuell reif, aber noch nicht ausgewachsen, hatten also noch keine feste Dominanzbeziehung. Daher gerieten sie beim Anblick des Köders unweigerlich in Streit. Meist bemächtigte sich die Aggressorin der Beute, die Angegriffene mußte ihr beim Fressen zusehen. Aber schon wenige Minuten nach dem Zwist zeigten die Kontrahentinnen Versöhnungsgesten: Sie berührten mit ihrem Maul sanft den Kopf oder das Maul der anderen oder führten reinigende Bewegungen am fremden Fell aus. Nach diesen Ritualen waren die Tiere merklich entspannter. Dabei ging die Initiative zur Versöhnung meistens von der Aggressorin aus. Zwar hat auch das Opfer Interesse am Beilegen der Spannungen, aber die Angst vor weiteren Attacken bremst seinen Tatendrang.