Es ist ja auch keine leichte Zeit für Weltenplaner. Der große Wurf? Eine beglückende Utopie? Da wagt sich im Moment so recht keiner ran, und auch die Stadtbauer bleiben vorsichtshalber in Deckung, wenn es darum geht, den Metropolen ein Morgen zu entwerfen. Zu oft mußten sie mit ansehen, wie ein genialisches Gedankengebäude in sich zusammenkrachte, wie im nackten Licht der Realität der kühne Menschheitstraum eine kühle Menschenverachtung zeitigte. Allerdings: Als Projektionsmaschine für Wünsche und Hoffnungen funktioniert die Stadt noch immer. Und so geben die Planer ihren Glauben an die Vorhersehbarkeit auch nicht auf - zum Glück. Nur vorsichtiger ist man geworden, statt von Visionen spricht man doch lieber von Leitideen und fragt, statt zu antworten - so wie das reich bebilderte Kompendium "Ohne Leitbild?

Städtebau in Deutschland und Europa", herausgegeben von Heidede Becker, Johann Jessen und Robert Sander (Karl Krämer Verlag, Stuttgart und Zürich 1998

520 S., 68,- DM). Über vierzig Aufsätze zahlreicher Autoren dokumentieren, wie rege derzeit viele Facetten der Stadt wieder diskutiert werden - mal richtet sich der Blick aufs Detail, mal auf die komplexen Zusammenhänge. Es ist ein Arbeitsbuch, das Mühe macht, aber auch Mut, über die Zukunft unserer Städte nachzudenken.

Von vielen wird das Urbane ja längst totgesagt: Es sei von der Moderne verflüchtigt worden, ketzern die einen

die anderen fürchten, alles Städtische werde vom Internet abgesogen. Eine ganz andere Wahrheit erzählt hingegen Eva Schweitzer in ihrem Buch "Traum-Reise-Metropole - Reportagen aus wachsenden, sterbenden und imaginären Städten" (Jovis Verlag, Berlin 1998

176 S., 29,80 DM). Schweitzer nimmt uns mit auf ihre Exkursionen nach Shanghai und Havanna, nach Görlitz und ins Weltall, und in vielen lebendigen Episoden wird deutlich: Für Trauergesänge ist es viel zu früh und für Wehlaute ebenfalls. Statt dessen sollte man aufbrechen, um die Vielfalt zu entdecken und um die rasanten Veränderungen selbst zu erleben. Das Buch lädt dazu ein: Jedes Stadtportrait wird durch ein paar praktische Tips und Telephonnummern ergänzt.

Einen ganz anderen, akribischen Blick auf das, was die Stadt ausmacht, bietet ein liebevoll gestaltetes Buch der Garten- und Landschaftsarchitektin Regina Poly über die von ihr entworfenen "Plätze, Innenhöfe, Parkanlagen - 1985-1998" (Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1998