Manchen Kritikern erscheint er wie ein "Außerirdischer", andere halten ihn für einen "Schickimicki-Politiker" oder gar für eine leibhaftig gewordene "Zumutung". Alles nur eine Frage der Wahrnehmung? Für Reinhard Abels ist der vom SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder auserkorene Wirtschaftsminister, Jost Stollmann, zunächst nur ein Kunde. Abels ist Werbefachmann und berät den politischen Seiteneinsteiger.

Für Abels sind denn auch die heftigen Reaktionen auf Stollmanns Interviews nur eine Frage des Wahrnehmungsmanagements. Denn was der umstrittene Kandidat von sich gebe, rechtfertige nicht derart heftige Repliken. Abels spielt einen Filmbeitrag vor. Er zeigt, in Schnitt und Gegenschnitt, was Stollmann zu bestimmten Themen sagte und was Kritiker wie Ursula Engelen-Kefer darauf erwiderten. Die DGB-Vizechefin redete, so scheint's, meilenweit an Stollmann vorbei.

Reinhard Abels ist Chef einer "Agentur völlig neuen Typs", wie er selbst behauptet. Doch der erste Eindruck ist enttäuschend: eine schmale, renovierte Jugendstilfassade, eingeklemmt zwischen mächtige Büro- und Wohnhäuser im Düsseldorfer Zoo-Viertel. So unscheinbar residiert die angeblich avantgardistischste Denkfabrik Deutschlands? Dies hier sei ja nur der "Nukleus", sagt der Hausherr. Die eigentliche Denkfabrik müsse man sich als ein weltumspannendes Netzwerk vorstellen, wie ja der Name schon sage: "Abels & Grey - Corporate Mission Services Network".

Daß alle Welt seine feine Agentur vor allem für das Headquarter von Jost Stollmann hält, mißfällt dem 45jährigen. Sagt er. Nur "kommissarisch" organisiere sein Team die Pressetermine, lese Interviews gegen und versorge ihn mit Ausschnittdiensten. Schon zu Stollmanns Zeiten als CompuNet-Unternehmer arbeitete die Agentur mit ihm zusammen. Stollmanns Anzeigen gegen die Standort-Miesmacher entstand hier. Manchmal stelle er sich dem Minister in spe auch als "Sparringspartner" zur Verfügung, räumt Abels ein.

Dabei mußte der PR-Mann die Feinheiten der Politik erst noch lernen. Nachdem Stollmann etwa angekündigt hatte, nach der Bundestagswahl "die besten Köpfe" zusammenholen zu wollen, hätten die SPD-Öffentlichkeitsarbeiter entsetzt angerufen. "Beste Köpfe" klinge zu ausgrenzend. Stollmann möge doch beim nächsten Mal besser von "Akteuren" sprechen.

Eigentlich sei Werbung oder Pressearbeit jedoch nicht sein Gebiet. Sein 1994 gegründetes Unternehmen ist ein Joint-venture mit der Großagentur Grey. Aber anders als die klassische Werbeagentur, die gerufen werde, wenn ein Produkt nicht mehr läuft, also meistens zu spät, "werden wir sehr früh gerufen", sagt Abels. Er nennt, was er seinen Kunden bietet, "Corporate Mission".

Tagaus, tagein auf der Suche nach dem Sinn Nicht um Produkte oder Dienstleistungen gehe es dabei, sondern darum, zu verdeutlichen, wofür ein Unternehmen oder eine Behörde inhaltlich steht, was ihre Vision ist, erläutert Abels. Ganz wichtig sei "Corporate Mission" bei Firmenzusammenschlüssen, strategischen Neuausrichtungen oder Börsengängen von Unternehmen - Vorgänge, die sich im Wirtschaftsleben häufen und die es gilt, mit Sinn zu füllen.