Zwanzig Angestellte sind tagein, tagaus mit dieser Sinnsuche beschäftigt.

Damit die Kreativität sich entfalten kann, ließ Abels den Altbau, der früher der Sitz eines Möbelhändlers war, entsprechend umbauen. Im vorderen Teil wurden mehrere Ebenen eingezogen, mit Nebenzimmern und Nischen zum Ideenausbrüten in Kleingruppen. Im hinteren Teil, dem einstigen Möbellager, befindet sich der eigentliche "Think Tank" (Abels): eine Halle mit Glasdach und Stahlstreben, wo junge Menschen an Schreibtischen sitzen und telephonieren oder lesen oder nachdenken. In der Mitte des Raums, auf einem Podest, der Schreibtisch Jost Stollmanns. Er ist sogar da, sitzt dort einfach nur und scheint ebenfalls nachzudenken. Mit aller Welt kommunizierten diese jungen Leute, stets auf der Jagd nach neuen Ideen und kreativen Köpfen, um sie zur Mitarbeit einzuladen, erläutert Abels.

Eine "Corporate Mission" verpaßte Abels zum Beispiel der AOK, für die er den Begriff "Gesundheitskasse" erfand, noch zu der Zeit, als er Geschäftsführer und Gesellschafter bei Spiess, Ermisch, Abels war. Das AOK-Image sei damit völlig gedreht worden. Auch der Bundeswehr verhalf er zu einer "Mission". Als es galt, die Öffentlichkeit auf die ersten Auslandseinsätze der Streitkräfte einzustimmen, drehte Abels Filme über Somalia und andere Länder, um zu zeigen, "wieviel Elend in der Welt herrscht und wo überall Unrecht geschieht".

Gehört die Bundeswehr immer noch zu seinen Klienten? Und was sagt Volker Rühe dazu, daß Abels sich jetzt in den Dienst des SPD-Kandidaten Stollmann stellt?

Über seine Klienten möchte der Agenturchef derzeit nichts sagen. Viele Kunden habe er sowieso nicht zehn sind es im Schnitt, mit denen er auf einen jährlichen Honorarumsatz von ungefähr zehn Millionen Mark kommt.

Lieber spricht Abels davon, daß er die Wirtschaft an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter sieht. Nach der Phase cleveren Marketings - die Swatch-Uhren hält er für ein gutes Beispiel - und zuletzt der Ära der Effizienz, als die Stunde der Unternehmensberater schlug, komme es künftig auf das "Wahrnehmungsmanagement" an. Eine kritischer werdende Öffentlichkeit prüfe nicht mehr nur die Produkte, sondern nehme auch die Produzenten daraufhin unter die Lupe, ob sie verantwortungsbewußt für die Gesellschaft agieren.

Versagt habe das "Wahrnehmungsmanagement" etwa bei Shell im Fall der geplanten Versenkung der Ölplattform Brent Spar. Auch die "Peanuts"-Bemerkung von Hilmar Kopper, dem früheren Chef der Deutschen Bank, sei solch ein Negativbeispiel. In dem Zorn, der sich anschließend entlud, habe sich eine lange angestaute Aversion gegen die als übermächtig und arrogant empfundene Großbank Luft gemacht. Kurzfristig könne in solchen Fällen gar nichts behoben werden, meint Abels. Vielmehr müsse sich langfristig "das Verhalten der Führer ändern" - in Wort und Tat.