Erhard Eppler gehört zu den wenigen politischen Autoren der Bundesrepublik, die ebenso profund wie plastisch zu schreiben vermögen.

Begriffsbildungen wie "Lebensqualität" oder die Unterscheidung zwischen "Wertkonservativen" und "Strukturkonservativen", die der politische Diskurs hierzulande ihm verdankt, sind aus dem Gespräch nicht mehr wegzudenken. Dies alles sind Gründe, auf sein jüngstes Buch gespannt zu sein - und es mit gesteigerter Erwartung, freilich auch mit gesteigertem Anspruch zu lesen.

In diesem soeben vorgelegten Band spürt Eppler der Frage nach, wie die Politik wieder die Herrschaft über die öffentlichen Dinge zurückerlangen kann. Zu diesem Zweck unterzieht er zunächst einige der maßgeblichen "Klassiker" einer neuerlich neugierigen Lektüre, um sich sodann ins Getümmel der aktuellen Debatte über die Globalisierung und den sogenannten Neoliberalismus zu stürzen.

Die Revision der Klassiker ist schon deshalb mit besonderer Vorfreude zu lesen denn zumindest zwei von ihnen, Max Weber und Karl Popper, könnten für Eppler ein Stigma tragen, weil sie von Epplers eminentem Antipoden Helmut Schmidt ausgiebig zitiert und strapaziert wurden.

Weshalb der Einstieg in das Buch ausgerechnet mit Carl Schmitt, einer Auskunftsperson, die man zuletzt bei einem Autor wie Eppler vermuten würde?

Eine der unseligen geistigen Erbschaften aus dem Denken Carl Schmitts ist die Behauptung, das Wesen jeder Politik liege in der Unterscheidung zwischen Freund und Feind.

Dazu Eppler: "Daß Carl Schmitts Theorie nicht in die Demokratie paßt, ist keine neue Erkenntnis. Sein Begriff des Politischen ist, abgesehen von seinem letztlich antidemokratischen Ursprung, viel zu eng, um Politik zu beschreiben oder gar einzufordern und wiederherzustellen. Trotzdem sollten wir nicht achtlos, auch nicht mit nachsichtigem Lächeln darüber hinweggehen." - Warum dieses? - "Woher kommt die seltsame Verstörtheit westlicher Politik nach dem Zerbröseln des Kommunismus?"