Nicht immer schreibt das reale Leben die besten Geschichten gut zu Ende.

Ein Mordsschluß jedenfalls fehlt in der López-Affäre, dem wohl spektakulärsten Crash zweier Weltkonzerne. Jahrelang war die Story gut für Schlagzeilen - immerhin lieferten sich General Motors, die Nummer eins in der Autowelt, und Volkswagen seit 1993 einen erbitterten Krieg, weil die Amerikaner dem legendären spanischen Kostenkiller kurz nach dessen Wechsel in den Wolfsburger Vorstand besonders dreiste Industriespionage vorwarfen.

Vermasselt hat's die deutsche Justiz, die nun offenbar einen lästigen Fall loswerden wollte, statt sich ernsthaft um eine Klärung der massiven Anschuldigungen zu bemühen. Dabei hatten die Staatsanwälte nicht mit Zeit und Geld gespart, um Licht in das Dunkel zu bringen. Das belegen 23 000 Blatt Ermittlungsakten und 196 Zeugen, die in der dreijährigen Recherche aussagten.

Als die Darmstädter Strafverfolger im Dezember 1996 Anklage gegen López und drei seiner früheren Mitarbeiter erhoben, gaben sie sich sehr siegessicher, dem Managerquartett Verrat von Geschäftsgeheimnissen und Unterschlagung nachweisen zu können. Wenn jetzt so getan wird, als sei da nicht viel gewesen und die Vorwürfe gegen López "vom kriminellen Gehalt" her nicht mehr so schwerwiegend, klingt das wenig überzeugend.

Die sang- und klanglose, nur mit harmlosen Geldbußen verknüpfte Einstellung des mit ungewöhnlichem Getöse gestarteten Verfahrens legt eher den Schluß nahe, daß die Strafverfolger sich verhoben haben. Sie erhofften Publicity und scheiterten an juristischen Fallstricken, die gerade das Delikt Industriespionage umgeben.

Die eigentlich schlechte Nachricht für die Wirtschaft ist denn auch diese: Gegen Industriespionage müssen sich die Unternehmen selber schützen - die Justiz hierzulande kann das nicht, optimistischer ausgedrückt: noch nicht.

Der Tatbestand der Betriebsspionage ist nämlich juristisch gesehen Neuland, weil er erst seit etwas mehr als einem Jahrzehnt existiert. Der López-Fall war also eine Art Pilotverfahren.