Was geschieht mit Totgeburten im Krankenhaus? Wohin werden diese Körper gebracht, nachdem sie in der Pathologie analysiert worden sind? Diese Frage beschäftigt zur Zeit die Öffentlichkeit, nachdem zunächst das ARD-Magazin "Report" und danach die Berliner Zeitung meldeten: "Abfallfirma verarbeitete Totgeburten zu Straßenbelag".

Müllexperte Stefan Drauschke, dessen Berliner Sonderabfall-Entsorgungsgesellschaft KEG auch für Hamburger Krankenhäuser arbeitet und nun "völlig ungerechtfertigt Schimpf und Schande" über sich ausgekippt sieht, hat über Krankenhausmüll promoviert und sagt: "Alle, die jetzt sagen, daß sie es nicht wußten, waren froh, durch uns gegenüber der teuren Sondermüllverbrennung eine preiswerte Alternative gefunden zu haben."

Christoph Lindner ist Leitender Oberarzt der Hamburger Frauenklinik des Universitätskrankenhauses Eppendorf. Er weiß, daß "Feten unter tausend Gramm wie jedes menschliche Material von der Pathologie entsorgt" würden. "Das wird vernichtet durch Verbrennung." Aber wo es geschieht und wie, kann er nicht sagen: "Das machen die da, glaube ich." Auch die evangelische und katholische Krankenhausseelsorge weiß nicht mehr darüber, als daß "das dem sittlichen Empfinden angemessen entsorgt" werde.

Bundesweit rechnet man mit etwa 4000 Totgeburten pro Jahr. Erst vor vier Jahren senkte der Staat das vorgeschriebene Mindestgewicht für zu bestattende Totgeburten von über 1000 auf über 500 Gramm. Diese Feten müssen ohne Vornamen standesamtlich registriert werden. Die Beerdigung kann anonym in einem Sammelgrab oder Urnenfeld geschehen. Diese Gewichtsgrenze erfordert, daß in Kliniken jede Totgeburt gewogen wird. Lindner (UKE): "Wird gemacht."

Bis Ende der siebziger Jahre hatten Krankenhäuser für menschliche Überreste aller Art eigene Verbrennungsanlagen und pusteten ungestraft Dioxin in die Luft. Inzwischen wird das, was intern "infektiöser Müll" heißt und das Krankenhauspersonal ansammelt, in graue oder schwarze 60-Liter-Behälter gekippt: alte Verbände, Gewebereste, amputierte Körperteile und entfernte innere Organe bis hin zu Teilen von Aborten sowie Fehlgeburten. Sondermüll, der entsprechend kostenaufwendig verbrannt werden muß.

Den Frauen das tote Kind noch zu zeigen, findet der Hamburger Klinikchef Lindner schwierig. Die "totgeborenen Feten sehen oft sehr unschön aus".

Hebammen sind mehrheitlich nicht dieser Ansicht, sondern vermuten, daß Ärzte die Totgeburt lieber "so schnell wie möglich in die Pathologie verdrängten".