Denver Während einer Fernsehdiskussion gab Bill Clinton kürzlich bekannt, er stamme zu einem Teil von den Cherokee ab - seine Großmutter war eine Viertel-Indianerin. Dieses Erbteil macht ihn zu einem Sechzehntel-Indianer.

Die Nachricht muß für die zwei Millionen eingeborenen Amerikaner ähnlich überraschend gewesen sein wie für die Strafverfolger im Fall Lewinsky, die bisher geglaubt hatten, sie wüßten nun wirklich alles über Clintons Privatleben. Haben wir den ersten amerikanisch-indianischen Präsidenten gewählt, ohne es zu wissen?

Nach den Zulassungsregeln der 554 Indianerstämme der Nation könnte Clinton für eine Mitgliedschaft qualifiziert sein. Aber natürlich ist das alles noch viel komplizierter, als es aussieht. Ein amerikanischer Indianer in den neunziger Jahren zu sein ist immer sehr kompliziert.

Ich glaube, Präsident Clinton meint es gut. Er hat ja auch gesagt, die Nation müsse sich endlich ihrer Geschichte der Mißhandlung der Indianer stellen und wieder etwas gutzumachen versuchen. Tatsächlich gibt es Veränderungen im Indianer-Land. Weit davon entfernt auszusterben, gehören die Indianer heute zu den am schnellsten wachsenden Bevölkerungsgruppen. Wenn die Regierung ihre Verpflichtungen erfüllt, werden die Stämme ihr Schicksal bestimmen können wie nie zuvor. In den vergangenen dreißig Jahren haben Indianer, beispielsweise, dreißig Colleges gegründet, um den Amerikanern eine Erneuerung zu bescheren, die sie am meisten brauchen.

Wenn nun Clinton, wie viele andere Bürger, sein indianisches Erbe restaurieren will, dann sollte er die Stämme der Cherokee konsultieren. Jeder von ihnen hat seine eigenen Regeln für die Mitgliedschaft, und sie verlangen meistens die Suche nach der Stammesherkunft der jeweiligen Vorfahren.

Um einem Stamm anzugehören, ist jedoch mehr vonnöten, als nur einen Bruchteil des richtigen Blutes vorzuweisen. Es geht vor allem darum, Traditionen am Leben zu erhalten und sich für unsere Leute verantwortlich zu fühlen. Die Nöte sind so groß, daß es für ein Mitglied nicht reicht, "Teil-Indianer" zu sein. Das wäre genau dasselbe, als würde ich meinen Kindern sagen, ich sei ein Teilzeit-Vater.

Mein Stamm, die Oglala Lakota Sioux, umschreibt unsere gemeinsame Verantwortung mit den Worten: Mitakuye oyasin. Das bedeutet: "Wir sind alle miteinander verwandt." Sollte sich Clinton als ein ganzer Indianer verstehen, werden wir unsere Arme ausstrecken und darauf warten, was unser neuer Verwandter für das indianische Amerika tun kann.