Bonn Fereshta Ludin, die afghanische Grundschullehrerin im schwäbischen Plüderhausen, hat durch ihr Bestehen auf dem Tragen eines Kopftuches während des Unterrichts eine bundesweite Grundsatzdiskussion ausgelöst. Doch statt sich mit Hilfe des Kopftuches wie mit einem Schild von dieser Gesellschaft abzugrenzen, hätte sie besser ein Wort über ihre unterdrückten Glaubensgenossinnen verlieren sollen: über all die Frauen, die im Iran und in Afghanistan wegen eines Kusses ausgepeitscht oder wegen eines Ehebruches gesteinigt werden denen wegen des Tragens von Nagellack die Fingerkuppen abgehackt werden die in engen Zimmern deutscher Wohnungen Tag für Tag eingesperrt und geschlagen werden mit dem Ergebnis, daß s ie selbst nach vielen Jahren noch immer keinen einzigen deutschen Satz hervorbringen können.

Ich entstamme einer Familie, deren Eltern nicht nur Muslime waren, sondern in unserer Stadt sogar als Heilige verehrt wurden. Doch wurde der Islam in unserem Haus nur als Aufruf zu mehr Liebe und Menschlickeit praktiziert. Die strengen religiösen Auflagen für Frauen wurden unorthodox gehandhabt wie überall in Kurdistan. Meine Mutter war mindestens genauso stolz wie wir Kinder und unser Vater auf ihre 1,80 Meter messende Schönheit, ihre glatten, glänzendschwarzen Haare, mit denen sie auf subtile Weise zu kokettieren verstand. Sie verrichtete pünktlich auf arabisch ihre Gebetsrituale, ohne auch nur ein Wort davon zu verstehen. Ich habe sie nie als wandelnden, schwarz verhüllten Schrank gesehen, wie ich es in der Bundesrepublik tagtäglich bei muslimischen Frauen erlebe.

Es geht nicht an, daß Ausländer, die hier auf Dauer leben wollen, mehr Toleranz für ihre eigene Gesellschaft fordern, ohne sich mit der deutschen Gesellschaft näher befaßt zu haben. Wenn eine Gemeinde sich gegen die Errichtung einer Moschee entscheidet, sollte es für Muslime ein leichtes sein, dies zu akzeptieren, denn in ihren Ländern ist der Bau einer Kirche für Fremde ein Unding. Genauso steht es beispielsweise um die Kleidungsvorschriften für Besucherinnen in ihren Ländern, von denen Kopftuch und langer Rock kategorisch gefordert werden.

Wie läßt es sich miteinander vereinbaren, daß viele hiesige Muslime zwar unreine Ungläubige ablehnen, das Geld des Sozialamtes aber, das diese Ungläubigen erarbeitet haben, nur zu gerne akzeptieren. Daß viele reiche Muslime nach Deutschland reisen, um sich Herz, Leber und Nieren der ungläubigen, schweinefleischessenden Organspender transplantieren zu lassen, obwohl dies nach ihrer Religion untersagt ist. Daß mancher Muslim die deutsche Staatsangehörigkeit bei Bedarf wie einen Trumpf ausspielt, sich insgeheim aber dieser Gesellschaft nicht zurechnet.

Wenn Ausländer hier leben wollen, ist es ihre Pflicht, sich zu integrieren und die Gesetze dieses Volks zu respektieren. Schlägt ein Skinhead zu, wird er bestraft. Warum sollte ein in Deutschland lebender, minderjähriger Ausländer, der sechzig Straftaten begangen hat und nach unzähligen Bemühungen der Behörden kein Zeichen der Besserung zeigt, nicht mitsamt seinen Eltern abgeschoben werden? Diese Strafe ist gering im Vergleich zu denen, die beispielsweise im Iran, Irak oder der Türkei angewendet werden dort werden straffällige Kinder und Jugendliche zu Dutzenden hingerichtet.

Voraussetzung für eine funktionierende Integration ist die Beherrschung der deutschen Sprache, der Schwachpunkt der meisten hier lebenden muslimischen Ausländer. Oft hindert sie nicht mangelnde Lust daran, sich mit der fremden Sprache auseinanderzusetzen. Vielmehr verlieren sie ihre Motivation, weil die Anerkennungsverfahren der Behörden zu lange dauern oder kein bezahlbarer Sprachunterricht angeboten wird. Was bleibt, ist eine Verständigung mittels Wortfetzen, der Rückzug unter Landsleute und die Abkapselung von der Gesellschaft.

Über die Religion wird es schwerlich zu einer Annäherung zwischen Deutschen und Muslimen kommen. Sprache und Kultur könnten die Basis dafür sein nur müßte in dieser Hinsicht von staatlicher Seite mehr investiert und mehr gefordert werden. Erst dann wird es möglich, daß ein muslimischer Ausländer in diesem Land die Vorteile des Wohlstandes mit denen der eigenen Kultur und Gesellschaft verbinden kann.