Nach dem drei zu null der Kroaten gegen die deutsche Elf am 4. Juli knallten bei den Reiseveranstaltern die Sektkorken. "Seitdem läuft das Geschäft", berichtet Wolfgang Beeser, der Chef von NUR Touristik, "wie der Teufel". Vor allem die Branchenriesen NUR und TUI konnten die bis Anfang Juli zurückhaltenden Buchungen ihrer Kunden mehr als ausgleichen und steuern abermals neue Umsatzrekorde an. Die beiden Reisegiganten, die schon jetzt mehr als die Hälfte des organisierten Reisegeschäfts beherrschen, werden ihren Marktanteil noch weiter ausbauen - auf Kosten der Konkurrenz: Viele kleine und mittlere Anbieter sowie die Veranstalter des Charterfliegers LTU wie Jahn Reisen oder Transair werden in den Reisebüros von den Tourismusgiganten immer weiter zurückgedrängt.

Auch dieser Sommer ist beispielhaft für einen anhaltenden Trend, der der Branche immer mehr Kopfzerbrechen bereitet. "Die Urlauber buchen immer später, immer spontaner, immer kurzfristiger", klagt der Düsseldorfer Reisebüroinhaber Klaus Laepple. Aus Angst, auf einem Großteil ihrer Reisen sitzenzubleiben, strichen viele Anbieter schon vor Beginn der Hochsaison einen Teil ihres Flugprogramms oder verbilligten ihre Offerten. Die LTU-Touristik reduzierte gleich zweimal die Preise, zuletzt mit Sonderkatalogen wie "Sahnestücke" (Jahn Reisen) oder "Jubelpreise" (Tjaereborg).

Das Zauberwort der Kurzentschlossenen heißt auch in diesem Reisesommer Last-minute. In der Hoffnung auf ein Reiseschnäppchen bilden sich seit Wochen vor den Discountschaltern an den Flughäfen lange Schlangen. Rund drei Millionen Deutsche, mehr als jeder zehnte Urlauber, jetten laut Aussage von Experten heuer mit einem Kurzfristangebot in die Sonne. Nahezu alle Veranstalter bedienen sich notgedrungen dieses Instruments, ihre verderbliche Ware im letzten Moment doch noch abzusetzen.

Über Tochterfirmen, wie es NUR (Bucher Reisen), LTU (BUY.bye) oder Frosch Touristik (Fünf vor Flug) praktizieren, über unabhängige Vermarkter wie die Zeitschrift Reise & Preise (Servicetelephon 0190/25 25 00). Die TUI kooperiert mit dem Marktführer L'tur, der im vergangenen Jahr in seinen 102 Filialen mehr als 400 000 Restplätze von über fünfzig Veranstaltern losschlagen konnte.

Doch besonders in der Hochsaison erfüllen sich längst nicht alle Träume vom Billigtrip in das gewünschte Urlaubsziel, beispielsweise nach Mallorca. Auch hier regeln Angebot und Nachfrage das Geschäft. In klassischen Sommerzielen wie Spanien oder Portugal sind auch die Last-minute-Reisen oft kaum billiger als im Katalog, häufig liegen die Abflughäfen in Bundesländern, die noch keine Sommerferien haben. "Richtung Spanien geht es im Moment nicht mehr darum, viel zu sparen, sondern überhaupt noch etwas zu bekommen", berichtet Reisebüroinhaber Laepple.

Bei Winterzielen wie der Dominikanischen Republik und Kuba oder auch für das vom Terrorismus gebeutelten Ägypten gibt es derzeit Preisnachlässe bis zu 50 Prozent. Die Tiraden des türkischen Ministerpräsidenten Yilmaz gegen die Deutschen und die unsichere politische Lage machen das Land am Bosporus bisher zum Verlierer des Sommers. Mitten in der Hochsaison stehen dort noch viele Betten leer, günstige Last-minute-Trips gibt es wie Sand am Meer.